Archiv für November 2009

Vortrag von Ercan Ayboga zum Staudammbau in Türkei-Kurdistan

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Am Dienstag den 01.12.09 findet um 20:00 Uhr ein Vortrag über das staatliche ‚Ilısu-Staudamm Projekt‘ der Türkei und den Widerstand dagegen statt. Der Referent Ercan Ayboga ist engagiert in der ‚Initiative zur Rettung von Hasankeyf‘. Veranstaltungort ist der Marburger Weltladen (beim Oberstadtmarktplatz).

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Ilisu Flyer 2

Die Frage nach einem Frieden in Kurdistan weiter offen!?

Flyer zum VoKü-Abend im Café am Grün am 27. November

Peace For Kurdistan

Die KurdInnen

Die KurdInnen zählen zu den indogermanischen Völkern. Mit 25-30 Millionen Menschen sind sie weltweit das größte Volk ohne eigenen Staat. Ihr Siedlungsgebiet wurde nach dem 1. Weltkrieg zwischen den neu entstandenen Staaten Syrien, Irak, Türkische Republik und Iran aufgeteilt.

Die PKK und der derzeitige Aufstand der KurdInnen

1978 gründete sich die ArbeiterInnenpartei Kurdistans (PKK) und nahm den Kampf gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Verleugnung des kurdischen Volkes auf. Erste Aktionen richteten sich vor allem gegen die feudalen, patriarchalen Strukturen in der kurdischen Gesellschaft selbst. Erst 1984 sah sich die PKK gezwungen den bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat aufzunehmen, welcher gewaltsam und unterdrückerisch seine Herrschaft über die kurdischen Gebiete sicherte und kurdische herrschende Schichten zu seinen Gunsten unterstützte. Seitdem wütet in Kurdistan ein „nationalstaatliche Grenzen übergreifender Krieg niederer Intensität“, der seinen Höhepunkt in den 90er Jahren erreichte, bis heute aber andauert und kein Ende zu haben scheint. Opfer dieses massiven Krieges ist vor allem die Zivilbevölkerung, die der Zerstörung ihrer Dörfer und Lebensgrundlage, der massiven Gewaltausübung des türkischen Militärs, der systematischen Repression durch den türkischen Staat und der Nichtbeachtung durch die internationale Öffentlichkeit ausgesetzt ist. Auch die anderen Besatzungsmächte Kurdistans – Syrien, Iran und Irak – beteiligen sich regelmäßig an diesem Krieg und unterdrücken die Kurden in „ihren eigenen“ Ländern.

Ein Friedensangebot besteht, der Weg ist aufgezeigt

Bis heute wurde von staatlicher Seite nur an einer militärischen, nicht an einer politischen Lösung gearbeitet. Während die kurdische Seite ihre Organisierung, Strategie und Zielsetzung seit zehn Jahren massiv umgestellt hat und Vorschläge zu einem konstruktiven Friedensschluss in der Region erarbeitet, beharrt der türkische Staat auf repressiven Maßnahmen und dem Ziel den Konflikt „zu gewinnen“. Die PKK hält seit den Kommunalwahlen im März einen einseitigen Waffenstillstand aufrecht um politischen Lösungen Raum zu geben, ein Vorschlag für einen detaillierten Friedensplan legte Abdullah Öcalan, der von den meisten KurdInnen als ihr politischer Vertreter anerkannt wird, dem türkischen Staat bereits im August vor, dieser hält die „Roadmap“ allerdings bis heute unter Verschluss.

Die Hauptforderungen der kurdischen Bewegung sind durchaus einfach:

• Sofortiges Ende der Kampfhandlungen und der Repression gegen Menschen aufgrund ihrer ethnischen und kulturellen Herkunft.
• Anerkennung der PKK als politischen Verhandlungspartner.
• Eine Änderung der türkischen Verfassung dahingehend, dass auch andere Identitäten als die türkische anerkannt werden.
• Kulturelle Freiheiten, wie die Lehre in der Muttersprache an staatlichen Einrichtungen bis einschließlich zur Universität.
• Freilassung und Anerkennung von Abdullah Öcalan als politischen Vertreter der KurdInnen und Veröffentlichung seiner Roadmap.

Türkische Unentschlossenheit und die Last des Nationalismus

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (AKP) will den Konflikt mit einem „15-Punkte-Plan“ lösen, der sich zweifellos an der Roadmap Öcalans orientieren dürfte. Am Freitag stellte er den Plan dem Parlament vor. Mit demokratischen Reformen, mehr Rechten und Freiheiten für die Minderheit, soll der Konflikt friedlich beigelegt werden. Die nationalistische Opposition wirft ihm und gemäßigten Kräften Landesverrat und Beschmutzung des Türkentums vor und organisiert seit Wochen Proteste und Gewaltaktionen gegen eine demokratische Öffnung und vor allem kurdische Einrichtungen, wie etwa Büros der Demokratischen Gesellschaftspartei (DTP).

Der Krieg geht (vorerst?) weiter

Trotz des von den Nationalisten befürchteten Untergangs des Türkentums hat sich an den realpolitischen Gegebenheiten innerhalb der Türkei noch nicht viel geändert. Das Militär fliegt weiterhin massive Angriffe gegen die Guerilla der PKK und bombardiert ganze Landstriche, staatliche Repressionen gegen kurdische PolitikerInnen und ZivilistInnen sind an der Tagesordnung und die Methoden des „Schmutzigen Krieges“ der 90er Jahre wie „extralegale Hinrichtungen“ oder der Einsatz von „Konterguerilla-Einheiten“ nimmt wieder zu. Reformen der demokratischen Öffnung bleiben bis heute Augenwischerei und Täuschung der Öffentlichkeit.

Die Hand ist ausgestreckt, der Friede zum Greifen nah

Seit einigen Wochen befindet sich eine Friedensdelegation von PKK-KämpferInnen und BewohnerInnen des Flüchtlingscamp Maxmur aus Südkurdistan (im Nordirak) in der Türkei um Gespräche mit Abgeordneten zu führen und ein Zeichen für friedliche, politische Verhandlungen zu führen; von Seiten der Regierung bisher völlig ignoriert. Es bleibt also auf Entwicklungen zu einem Frieden in der Region zu warten, die zweifellos von der türkischen Regierung weitergeführt werden müssen, nachdem die kurdische Seite zum wiederholten Male die Hand ausgestreckt hat.

25. November: Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

DÖKH

Flyer zum 25. November: Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Am 25. November 1960 wurden drei der vier Schwestern Mirabal: Patria, Minerva und Maria Teresa, vom militärischen Geheimdienst der Dominikanischen Republik verschleppt und nach monatelanger Folter und Vergewaltigung ermordet. Ihre Untergrundaktivitäten gegen die brutale Trujillo-Diktatur, unter der die Dominikanische Republik über 30 Jahre zu leiden hatte, waren ihnen zum Verhängnis geworden. Nur eine Schwester überlebte: Dédè, die seither den Widerstand ihrer Schwestern lebendig hält. Der Mut der Mirabal-Schwestern gilt inzwischen als Symbol für Frauen weltweit, die nötige Kraft für das Eintreten gegen jegliches Unrecht zu entwickeln. Rund 20 Jahre später wird der 25. November ein internationaler Gedenktag: 1981, auf einem Treffen lateinamerikanischer und karibischer Feministinnen würdigten die Teilnehmerinnen diese Frauen und riefen das Todesdatum der drei Frauen zum Gedenktag für die Opfer von Gewalt an Frauen und Mädchen aus.

Das Patriarchat, wonach männlich über weiblich herrscht und der ältere Mann über den jüngeren Mann, ist noch immer die weitestverbreitete Ideologie unserer Kultur und liefert deren fundamentalsten Machtbegriff, welcher sich stets in Unterdrücker und Unterdrückte innerhalb der Gesellschaft ausdrückt. Dieses Geburtsvorrecht wird noch immer in unserer sozialen Ordnung sehr unkritisch beachtet.
GEWALT GEGEN FRAUEN HAT VIELE GESICHTER, strukturelle, häusliche/familiäre oder sexualisierte Gewalt erhält das System weltweit und hat System wenn Frauen zum Beispiel:
- von Männern abhängig sind
- Opfer von Gewalt im Namen der Ehre werden
- für denselben Job 2/3 Lohn bekommen
- beim Vorstellungsgespräch nach Kinderwünschen gefragt werden
- zur Ware gemacht werden und Handel mit ihnen betrieben wird
- im Berufsleben gegeneinander ausgespielt werden
- über ihre Ausbildung nicht selber entscheiden dürfen
- nicht lieben dürfen wen sie wollen
- aufgrund ihrer Migrationsgeschichte rassistisch diskriminiert werden
- nicht feministisch zu Wort kommen
- unverhältnismäßig Reproduktionsarbeit verrichten, d.h. Kochen, Putzen, Kindererziehen und Beziehungsarbeit leisten
- beschnitten werden
- mit blöden Witzen und verbalen Attacken angegriffen werden
- von sexualisierten Übergriffen betroffen sind
- ausgeschlossen, vereinzelt und einsam alt werden

Dem Machtspiel mit Ängsten treten wir gemeinsam und entschlossen entgegen, die Ketten sind da und wir werden sie sprengen!
Abtreibung ist Frauenrecht; Patriarchat abschaffen!!

YXK kocht!

VoKü-Plakat

Mord an Ehsan Fattahian durch das Iranische Regime

Ehsan

Vom Iranischen Regime hingerichtet: Der kurdische Aktivist Ehsan Fattahian
Ehsan Fattahian, wurde am Morgen des 11. November 2009 im Gefängnis von Sanandadj, im iranischen Teil Kurdistans, hingerichtet. Das iranische Regime hat den 28jährigen, kurdischen Ex-Muslim und Guerillero der „Partei für ein freies Leben in Kurdistan (PJAK)“, aus politischen Gründen ermorden lassen, obwohl sich in den letzten Tagen weltweiter Protest gegen diese Menschenrechtsverletzung formiert hat.
In Sanandadj selbst herrschte am 10.11.2009 der Ausnahmezustand, Gegendemonstrationen wurden von der Staatsmacht brutal niedergeschlagen.
Hafturteil aufgehoben – in Todesurteil umgewandelt
Ehsan Fattahian, geboren in Kermanschah, war im Juli 2008 verhaftet und zunächst vom Geheimdienst gefangen gehalten worden. In erster Instanz verurteilte ihn die Erste Abteilung des Revolutions-Gerichts der Stadt Sanandadj wegen „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ zu zehn Jahren Haft, die er in der Verbannung in einem abgelegenen Gefängnis in Ramhormoz in Khouzestan, im südlichen Iran und weit entfernt von seinen Angehörigen verbüßen sollte. Das Urteil wurde jedoch von der Vierten Abteilung des Berufungsgerichts der Provinz Kurdistan revidiert und in ein Todesurteil umgewandelt. Grund dafür sollen „Kampf gegen Gott“, „Abfall vom Islam“ und angeblicher „bewaffneter Kampf“ sein. In der Haft wurde der junge Mann mehrfach schwer gefoltert.
Die Europäische Gemeinschaft, Amnesty international, humanistische und säkulare Organisationen und auch viele Privatpersonen haben energisch gegen das Todesurteil protestiert, jedoch vergeblich.
Wir schämen uns für diese Menschheit und ganz speziell für diese Epoche der Zeit, in der wir leiden und kämpfen müssen, um als autonomer Mensch in Ruhe leben zu können. Unser Mitgefühl gilt der Familie und deren Angehörige von Ehsan Fattahian (28), der wegen Apostasie (Abfall vom Glauben), vom iranischen Regime gehängt wurde.
Mittelalterlich, pervers und dumm sind diese Menschen, die jenen Glauben stützen und missionieren, der eben Andere quält, misshandelt und unter fingierten Gründen mordet – wir wissen es, Sie wissen es und selbst der Henker wusste es.

Wir nennen es beim Wort: >>MORD!< <
Der Hinrichtungstermin wurde erst am vergangenen Sonntag bekannt gegeben. Fattahian trat daraufhin in den Hungerstreik. Wie er sind noch fünf weitere Glaubensabtrünnige von Hinrichtung in den nächsten Tagen bedroht, elf weitere Personen sollen wegen politischer Aktivitäten gegen das Mullah-Regime der Todesstrafe zum Opfer fallen.
Wir fordern die deutsche Bundesregierung, namentlich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle, auf, offiziell im Namen der Bundesrepublik Deutschland gegen diese eklatanten Menschenrechtsverletzungen zu protestieren!
Nach Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat jeder Mensch Anspruch auf Religionsfreiheit. Die Bundesregierung hat sich einige Male für Menschen eingesetzt, die vom Islam zum Christentum konvertierten. Es wird Zeit, dass sie sich endlich auch für religionsfreie Menschen engagiert! Denn gerade sie sind in theokratischen Systemen wie dem Iran besonders bedroht!

17. Hüseyin Çelebi Literatur Preise

17. Hüseyin Celebi Litertur Preise

Einladung aller Interessierten zum größten Literaturwettbewerb in kurdischer und türkischer Sprache mit kulturellem Begleitprogramm.
Zum 17. mal veranstaltet die YXK diese Veranstaltung, die den Namen ihres Ehrenvorsitzenden – Hüseyin Çelebi – trägt, und leistet damit einen bedeutenden Beitrag zu Erhalt und Festigung der kurdischen Sprache in der europäischen Diaspora.
Die Ortsgruppe Marburg wird eine gemeinsame Fahrt nach Köln organisieren, an der alle Interessierten teilnehmen können. Bitte meldet euch einfach per Mail bei uns.

Ort: Im Bürgerhaus in Köln-Porz
Zeit: ab 14.00 Uhr
Eintritt: 10,- Euro

Impressionen zu den Protesten gegen den Kogress des Internationalen Währungsfonds in Istanbul 1.-8. Oktober 2009

Direnistanbul Banner

Für mehr Infos:

direnistanbul.wordpress.com (türkçe)
resistanbul.wordpress.com (english)

Radiointerview mit einer Teilnehmerin des MSF/Amed Camp 2009

Amed Camp poster

Das ‚Freie Sender Kombinat‘ in Hamburg interviewte eine Teilnehmerin des ‚Mesopotamischen Sozialforums‘ bzw. des ‚Amed Camps‘, welches Ende September ’09 in Diyarbakır (kurdisch: Amed) in Türkei-Kurdistan stattfand.

Hier die zugehörige Kurzbeschreibung: ‚MSF/ Camp in Kurdistan‘.

Auch ‚Radio Corax‘ führte ein Gespräch mit einer Teilnehmerin des Forums bzw. Camps:

Beschreibung: ‚Rückblick auf das Mesopotamische Sozialforum‘

Autorin Anja Flach in Marburg

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Für alle, die Anja Flach nicht live mitbekommen konnten, gibt es hier die Möglichkeit ein Kurzinterview (von Radio Unerhört), ihren eigentlichen Vortrag sowie die anschließende Diskussion nachzuhören.

Radio Unerhört Interview:

[Rest kommt noch!]

Ergänzendes Interview mit Anja Flach von 2008 bei Radio Blau Leipzig:

Was ist die YXK?

Der Verband der Studierenden aus Kurdistan (kurmanci: Yekîtiya Xwendekarên Kurdistan) ist ein Dachverband von Vereinigungen und Gruppierungen von Studierenden aus ganz Kurdistan in Europa.

Angesichts der gegen die KurdInnen in allen vier besetzten Teilen Kurdistans praktizierten Unterdrückungs- und Assimilationspolitik sowie der tagtäglichen Menschenrechtsverstöße und der dagegen Widerstand leistenden Freiheitsbewegung verspürten viele kurdische Studierende das Bedürfnis, sich neu zu organisieren und ihre Rolle zur Erlangung von Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung einzunehmen.

Nach einigen Vorbereitungstreffen wurde schließlich am 12./13. Dezember 1991 der Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK) in Bochum/BRD gegründet. Mit der Gründungsveranstaltung, an der 75 Studierende aus 16 deutschen Hochschulen teilnahmen, wurde der Grundstein für die nachhaltige Organisierung aller kurdischen Studierenden unter einem Dachverband in Europa gelegt. Mittlerweile gehören dem Verband Hochschulgruppen in ganz Deutschland, in Frankreich, Großbritannien, Holland, Österreich, Dänemark, Schweden, Norwegen und der Schweiz an. Zudem unterhalten wir trotz der schwierigen politischen Bedingungen Beziehungen zu Gruppen in Kurdistan und der Türkei.

Hauptinteresse der organisierten Studierenden ist es ein Bewusstsein in ihrem Umfeld für die Situation der KurdInnen in ihrer Heimat zu schaffen. Dies soll durch öffentliche Veranstaltungen geschehen; etwa durch Vorträge, Lesungen, Diskussionen, Kulturabende, Filmvorführungen und ähnliches. Dabei setzt der Verband auf internationale Solidarität und steht allen Menschen offen, die Interesse zeigen und sich für einen gerechte Sache einsetzen wollen.

Die Marburger YXK-Ortsgruppe hat sich im Wintersemester 08/09 wiedergegründet, nachdem ihre Arbeit ein Jahr lang ruhte. Sie hat es geschafft innerhalb kürzester Zeit die Problematik in Kurdistan durch verschiedene Veranstaltungen in das Bewusstsein der Marburger Bevölkerung zu bringen. Neben einem Kulturabend hat die Marburger Orstgruppe diverse Filmabende, Flyeraktionen und Buchvorstellungen veranstaltet. Die YXK-Marburg ist immer auf der Suche nach neuen Gesichtern, die sich ebenfalls in der Kurdistan-Thematik engagieren wollen.