Archiv für Januar 2010

Solidarität mit den ArbeiterInnen von Tekel

Zusätzlich gibt hier ein Interview von Radio Z Nürnberg mit Ibo Ocak freie-radios.net:

Seit über einem Monat kämpfen 12.000 Beschäftigte des staatlichen Tabak-Monopols Tekel in der Türkei gegen ihre Entlassung oder Versetzung in einen Kurzarbeitsstatus mit drastischen Lohneinbussen.

Viele Tekel-Standorte, die jetzt nach dem vorangegangenen Verkauf der Tekel-Produktionsstätten an ausländische Firmen geschlossen werden, befinden sich in den kurdischen Landesteilen der Türkei.
Diese Landesteile wurden seit Gründung der Türkischen Republik aufgrund der staatlichen Verleugnungspolitik gegenüber den Kurdinnen und Kurden künstlich unterentwickelt gehalten. Entgegen aller vollmundigen Versprechungen von Ministerpräsident Erdogan über verstärkte wirtschaftliche Investitionen in den kurdischen Landesteilen setzt die Regierung ihre Privatisierungs- und Deindustrialisierungspolitik fort. Die Schließung der Tekel-Betriebe wird die jetzt schon weit überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit und Armut in den kurdischen Landesteilen weiter vermehren.

Die türkische Regierung spricht von einer demokratischen Öffnung. Doch in der Praxis bedeutet dies Knüppel und Tränengas gegen Gewerkschafter in der Westtürkei; Knüppel und Tränengas gegen kurdische Jugendliche; Haft für Gewerkschafter und Haft für demokratisch gewählte kurdische Bürgermeister. Der Kampf der Tekel-Beschäftigten ist ein gemeinsamer Kampf von kurdischen und türkischen Arbeiterinnen und Arbeitern für soziale und demokratische Rechte. Das ist die wahre demokratische Öffnung von unten. Diese praktische Geschwisterlichkeit der Völker ist ermutigend zu einem Zeitpunkt, an dem an vielen Orten der Türkei Lynchattacken gegen Kurden, Roma und Linke stattfinden.

Der Streik der Tekel-Beschäftigten ist ein ermutigendes Signal im europa- und weltweiten Kampf gegen den Neoliberalismus. Als Marburger Ortsgruppe des Verbandes der Studierenden aus Kurdistan solidarisieren wir uns mit dem legitimen Kampf der Tekel-Arbeiterinnen und Arbeiter in der Türkei um würdige Arbeitsplätze und eine Zukunftsperspektive.