Archiv für November 2010

Lesung aus Abdullah Öcalans „Jenseits von Staat, Macht und Gewalt“

Die Lesung aus dem Buch „Jenseits von Staat, Macht und Gewalt“ von Abdullah Öcalan fand in Marburg am 29. November im DGB-Haus statt. Zu der Veranstaltung, an der etwa 25 Interessierte teilnahmen, hatte die Marburger Ortsgruppe des Verbandes der Studierenden aus Kurdistan (YXK) die Internationale Initiative „Freiheit für Abdullah Öcalan – Frieden in Kurdistan“ eingeladen.

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Der Freund von der Initiative, die unter anderem maßgeblich für die kürzlich neu erschienen Übersetzung des vorgestellten Buches verantwortlich ist, stellte zunächst die Initiative selbst und im Anschluss Abdullah Öcalans Person, Situation und Schriften vor. Den Hauptteil der Veranstaltung bildeten drei Abschnitte, die aus dem Buch vorgetragen wurden. Im Groben handelten diese Passagen von den Themen Entstehung des Patriarchats und der menschlichen Gesellschaft, die mittelöstliche Gesellschaft und das Prinzip des Staates, sowie die Selbstkritik im Namen der PKK, vor allem an der eigenen ideologischen Ausrichtung. Den zweiten inhaltlichen Teil der Veranstaltung bildeten die Fragen, die auf ein wachsendes Interesse an der Person Öcalans und der Entwicklung in Kurdistan und ihren Perspektiven schließen lassen.

Lesung aus Abdullah Öcalans „Jenseits von Staat, Macht und Gewalt“ am 29.11. in Marburg

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Der Autor des Buches, Abdullah Öcalan, führte bis zu seiner Entführung im Februar 1999 die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als deren Vorsitzender an. Seitdem befindet er sich in Isolationshaft auf der eigens für ihn eingerichteten Gefängnisinsel Imrali im Mittelmeer, gilt allerdings immer noch als wichtigste Persönlichkeit für den kurdischen Befreiungskampf und Schlüssel für eine politische, friedliche Lösung der kurdischen Frage.

In seinem kürzlich auf deutsch erschienen Buch „Jenseits von Staat, Macht und Gewalt“ analysiert Öcalan die Entwicklung der Zivilisation im Mittleren Osten und die politischen und gesellschaftlichen Probleme der Region, womit er an das bereits auf deutsch erschienene zweibändige Buch mit dem Titel „Gilgameschs Erben“ anknüpft.
Das Kernthema des aktuellen Werkes ist eine radikale Kritik von Hierarchien und Gewaltverhältnissen in der menschlichen Gesellschaft. Hierfür stellt der Autor die Frage nach dem Ursprung von Herrschaft in der menschlichen Geschichte und verfolgt die Entstehung und Entwicklung der Zivilisation und des Staates. Bei dieser Analyse nimmt der Geschlechterwiderspruch eine zentrale Rolle ein, da der Autor ihn als wichtigsten Ansatzpunkt sieht, um die Machtverhältnisse der Gesellschaft zu kritisieren, zu dekonstruieren und zu verändern. Auch die von ihm mitgegründete und geführte Bewegung unterzieht er einer radikalen Kritik, wobei er seine eigene Person dabei keineswegs auslässt und die Selbstkritik in neue Perspektiven für den kurdischen Freiheitskampf münden.
Mit dem Buch „Jenseits von Staat, Macht und Gewalt“ konkretisiert Abdullah Öcalan seine Lösungsvorschläge für die kurdische Frage und seinen Gesellschaftsentwurf nach dem Paradigmenwechsel der kurdischen Bewegung um die Jahrtausendwende für einen demokratischen und friedlichen neuen Mittleren Osten.

Weitere Informationen zu der Internationalen Initiative „Freiheit für Abdullah Öcalan – Frieden in Kurdistan“, sowie zu Abdullah Öcalan selbst oder dem Buch erhalten Sie auf der Homepage der Initiative (www.freedom-for-ocalan.com) oder in direktem Kontakt zu ihr: info@freedom-for-ocalan.com