Archiv für Januar 2011

Demokratische Autonomie/ Kommunales Leben/ Kriegsdienstverweigerung: Vortrag, 31. Jan., FFM

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Seit nunmehr über 26 Jahren herrscht Krieg in Kurdistan. Ein Krieg bei dem es um die Befreiung und Anerkennung des kurdischen Volkes geht. Die kurdische Freiheitsbewegung PKK entschloss sich damals zur Aufnahme des bewaffneten Kampfes, weil die Realität ihres Volkes sie geradezu dazu zwang. Ein Volk, dass sich seinem Schicksal zu ergeben schien und langsam aber sicher durch den
türkischen Staat „türkisiert“ wurde. Für die PKK gab es nur einen Ausweg aus dieser Tragödie: Die Aufnahme des bewaffneten Kampfes für die Errichtung eines unabhängigen sozialistischen Kurdistans.
Der Kriegsalltag dominiert zwar immer noch das Leben in Kurdistan. Aber ansonsten hat sich mittlerweile einiges verändert: Keiner verleugnet mehr die Existenz einer kurdische Realität. Selbst die reaktionärsten Kräfte in der Türkei kommen nicht drum herum dies zu akzeptieren.
Auch die PKK hat sich verändert: Nach dem Ende des Realsozialismus hat sie ihre ideologische Ausrichtung einer Selbstkritik unterzogen. Ein grundlegendes Ergebnis dessen ist, dass der Staat als Mittel zur gesellschaftlichen Befreiung seitdem abgelehnt wird.
„Je weniger Staat desto mehr Demokratie“ lautet die Parole der kurdischen Befreiungsbewegung, welche im konkreten Lösungsmodell, der Demokratischen Autonomie, Gestalt annehmen soll. Eine radikale Abkehr vom zentralistischen Staatsmodell, durch Stärkung der kommunalen Strukturen wird nicht nur als Lösungsperspektive der kurdischen Frage, sondern der gesamten gesellschaftlichen und politischen Probleme des Nahen und Mittleren Ostens betrachtet. Aufbau eines Kommunalen Lebens durch Organisierung von Volksräten und Stärkung der zivilgesellschaftlichen Strukturen wird als Ziel hierfür formuliert.
Gleichzeitig ist aber auch ein Ende des Krieges maßgebliches Ziel. Die PKK bekundet ihren Friedenswillen durch das Ausrufen von einseitigen Waffenstillständen. Und die Bevölkerung leistet zivilen Widerstand gegen die Kriegstreiber. Kriegsdienstverweigerung ist die Form des zivilen Widerstandes für den Frieden und wird in der Türkei immer noch mit hohen Haftstrafen belegt. Dennoch sind immer mehr kurdische und türkische junge Männer aber bereit dies in Kauf zu nehmen, um die türkische und internationale Kriegslobby nicht weiter zu erfreuen.
Diese Themen sollen in der Podiumsdiskussionsreihe des Verbandes der Studierenden aus Kurdistan (YXK) in den Städten Düsseldorf, Bielefeld, Hamburg und Frankfurt mit jeweiligen thematischen Schwerpunkten und zwei Referenten des „Dut Ağaç Kollektif“ (NGO aus Istanbul) diskutiert werden. In den jeweiligen Veranstaltungsorten sind unterschiedlichen Bündnispartner für das Podium angefragt. Dadurch sollen die Themen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und diskutiert werden.