Archiv für Mai 2012

Studierende Hinter Gittern

SHG: Demo in Köln

Liebe KommilitonInnen,
FreundInnen,
DemokratInnen,

immer wieder bringen sich sowohl SchülerInnen als auch Studierende auf eindrucksvolle Weise in gesellschaftliche Diskurse ein und nehmen so ihre Verantwortung für eine fortschrittliche Entwicklung ihrer Gesellschaft wahr.
Ob die Bildungsstreikbewegung in Deutschland oder die Studierendenrevolten in Chile, es wurde deutlich, dass das Engagement junger Menschen das Potenzial in sich birgt, gesellschaftliche Umbrüche hervorzubringen.
Auch in der Türkei haben Studierende immer eine große Rolle dabei gespielt, demokratische und fortschrittliche Ideen zu verbreiten und zu ihrer Entwicklung beizutragen.

Dies äußert sich erneut darin, dass Studierende und SchülerInnen die Widersprüche, die sich aktuell in den Gesellschaften der Türkei auftun, aufgreifen und Position beziehen. Dabei kann es sich um Entwicklungen im Bildungsbereich, Mängel in der notwendigen Demokratisierung oder anderer drängender Fragen des Landes – wie der ökologische, der sexistischen, nicht zuletzt der kurdischen – oder um allgemeinpolitisch-gesellschaftliche Widersprüche handeln.
Das Engagement in all diesen verschiedenen Anliegen eint mittlerweile ein entscheidendes Moment: die kritische Haltung gegenüber der Politik der türkischen Zentralregierung, der Staatsraison.

Die Reaktion des Staates bekommen vor allem die Studierenden zu spüren, wenn sie sich mit den diversen Gesellschaftsbereichen auseinandersetzen, um etwas zu verändern. Ihr zivilgesellschaftliches Engagement wird mit unterschiedlichen Mitteln versucht zu kriminalisieren: zuerst versucht die türkische Regierung die Proteste zu kriminalisieren, dann werden sie nieder geprügelt, anschließend werden die Studierenden der Hochschulen verwiesen und schließlich unbegreiflich lange – teilweise Jahre – in Untersuchungshaft genommen, bevor sie in Scheinprozessen zu langjährigen Haftstrafen abgeurteilt werden. Den Jugendlichen wird auf diese Weise nicht nur ihre Freiheit, sondern gleich ihre gesamte Zukunft genommen.
Ihre Forderungen sind lediglich solch legitime wie „muttersprachlicher Unterricht“. Diesen versuchen sie mit friedlichen und demokratischen Mitteln auf zivilem Wege Ausdruck zu verleihen. Ihr Vergehen ist dabei Opposition zur Regierungspolitik. Dies reicht den Verantwortlichen in Regierung, Justiz und nicht zuletzt Hochschule, um die Studierenden zu verfolgen.

Dieses Vorgehen trifft bei Weitem nicht nur Studierende. WissenschaftlerInnen, JournalistInnen, ParlamentarierInnen, KommunalpolitikerInnen, Frauenrechtsaktivistinnen „wird „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ nach der unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten sehr bedenklichen Anti-Terror-Gesetzgebung vorgeworfen. … Viele der betroffenen Tausende sind Mitglieder oder Funktionäre der prokurdischen BDP, einer legalen politischen Partei. Hunderte sind noch in verlängerter Untersuchungshaft,während sie auf den Ausgang ihrer Verfahren warten.“ so Amnesty International.1
Dabei fordert Amnesty International die türkische Regierung auf, die „unfaire Strafverfolgung zu unterbinden“ und die gängige Handhabe der Anti-Terror-Gesetzgebung internationalen rechtsstaatlichen Kriterien anzupassen. Des Weiteren müssten alle aufgrund der Anti-Terror-Gesetzgebung unrechtmäßig Inhaftierten sofort entlassen und die allgemeinen Menschenrechte eingehalten werden. Diese Einschätzungen teilen und unterstützen wir.

Um einen Anfang zu machen, rufen wir Euch auf:

1. dem Bündnis „Studierende hinter Gittern“ beizutreten
2. gemeinsam am 9.Juni in Köln zu demonstrieren
3. die Petition in Form eines offenen Briefes an die Deutschen MinisterInnen für Bildung, Jugend und Außenpolitik zu unterstützen und
4. sich solidarisch mit den Inhaftierten zu zeigen, indem ihnen geschrieben wird, sie mit einer gemeinsamen Delegation besucht werden oder öffentlich Stellung zu den Ungerechtigkeiten der Herrschenden bezogen wird.

Mit solidarischen Grüßen

Kampagne „Demokratie hinter Gittern“
Verband der Studierenden aus Kurdistan – YXK

Hier gehts zur Online Petition:
http://openpetition.de/petition/online/freilassung-aller-studierende-hinter-gittern-und-aller-politischen-gefangenen

http://www.facebook.com/events/449612621735013/

IV. Dêrsim Kultur Festival

4. Dêrsim Kulturfestival

Am 25.05.2012 & 26.05.2012 wird auf dem Rebstockpark in Frankfurt das IV. DÊRSİM ALEVİ KULTUR FESTİVAL 2012 stattfinden.

Die Region, die vorwiegend von alewitischen Kurden bewohnt wird, ist immer wieder zum Spielball politischer Interessen geworden – oft zum Nachteil der Bevölkerung. Vor einigen Jahren hat die türkische Regierung beschlossen, in der Region Staudämme zu bauen, die neben der einzigartigen Flora und Fauna auch viele Dörfer bedrohen.

Es werden tausende von Besuchern aus dem ganzen Bundesgebiet erwartet. „ Es wird ein buntes Programm mit Rednerbeiträgen, Diskussionen, Musik- und Theateraufführungen und Kinderbelustigung“ geboten. Unter anderem werden hochkarätige Politiker aus der Türkei erwartet. Zudem treten Musik- und Tanzgruppen auf und die alewitische Gemeinde wird sich vorstellen. Dazu gibt es ein Rahmenprogramm mit kulinarischen Spezialitäten.

Ort:
Rebstockpark
Am Römerhof 15 (Messegelände)
60486Frankfurt

Program:
25.05.2012 (Freitag)
Beginn: 17:00 Uhr

Diskussionspunkte: Dêrsim, Kurdische Frage, Alewiten

Baki Gül
Kazım Cihan
Mehmet Bayrak
Ahmet Aydın
Av. Erdal Doĝan

26.05.2012 (Samstag)
Beginn: 11:00 Uhr

Selahattin Demirtaş (Vorsitzender der Partei für Frieden und Demokratie BDP)
Edibe Ṣahin (Dêrsim Oberbürgermeisterin)
Tekin Türkel (Bürgermeister)
Kenan Çetin (Bürgermeister)
Özkan Tacar (DEDEF Vorsitzender)
Ali Köylüce (FEDA Vorsitzender)
Deutsche Landtagsabgeordnete

Sänger:
Grup Munzur
Ferhat Tunç
Özlem Özdil
Erdoğan Emir
Abidin Biter
Yılmaz Çelik
Silbus-u-Tari
Cihan Çelik
Cömert
Ṣengül Pak
Grup Haykırış
Levent Özdemir
Pınar Yıldız
SIMAR Deyiş Grubu
Sımsım Dêrsim Halk Oyunları
Dortmund Semah Ekibi

Eintritt: 10,00 EUR
Live: TV 10, NUCE TV, HAYAT TV

Pali-Schal dient als Beweismittel für Verurteilung

Cihan Kirmizigül

Heute tragen wir alle einen Pali-Schal und wir haben nichts verbrochen!

Der Student Cihan Kirmizigül wird aufgrund des Tragens eines Pali-Schals (ein von Männern und Frauen alltäglich getragenes Kopf- und Halstuch im mittleren Osten) zu 11 Jahren und 3 Monaten Haftstrafe verurteilt. Ist so ein Urteil rechtlich gesehen in einem demokratischen Land überhaupt möglich? In der vermeintlich demokratischen Türkei jedenfalls schon!
Der 21-jährige Cihan Kirmizigül war ein normaler Student der Galatasaray Universität in Istanbul. Doch er musste sein Studium abbrechen. Er wurde am 20. Februar 2010 festgenommen, während er auf seinen Bus wartete. Die nächsten 25 Monate verbrachte er in isolierter Untersuchungshaft im Gefängnis von Tekirdag. Die Anklage bezog sich auf einen Molotowcocktail-Anschlag im Istanbuler Stadtviertel Kağıthane des selben Tages seiner Festnahme. Auf der Suche nach den Tatverdächtigen nahm die Polizei Kirmizigül einfach mit, weil er ihnen aufgrund des Tragens eines Pali-Schals verdächtig vorkam, da die vermeintlichen AngreiferInnen ähnliche Kleidungsstücke getragen haben sollen. Wider vieler Indizien und Augenzeugenberichten, die für seine Entlastung sprechen, wurde Kirmizigül daraufhin zu einer Gefängnisstrafe von 33 Jahren und 9 Monaten verurteilt, später folgte eine Milderung (!) dieser Strafe auf 11 Jahre und 3 Monate!

Hier ein paar kurze Fakten, die nahelegen, dass der Fall des Cihan Kirmizigül kein Einzelfall ist:
Die Türkei unter der Regierung des Ministerpräsidenten Tayyip Erdoğan scheint ein Land der unbegrenzten Menschenrechtsverletzungen zu sein. Im Rahmen der sogenannten KCK-Prozesse werden tagtäglich Menschen wegen ihrer freien Meinungsäußerung und ihres demokratischen Engagements verhaftet und jahrelang inhaftiert. Aktuell sind 9.000 kurdische politische AktivistInnen (Parlamentsabgeordnete, JournalistInnen, AnwältInnen, BürgermeisterInnen) inhaftiert, darunter mehr als 2.000 Kinder, die in den Gefängnissen gefoltert, missbraucht und vergewaltigt werden. Eine für die KCK-Prozesse exemplarische Anklageschrift umfasst 7.578 Seiten und beschuldigt die Inhaftierten der „Bedrohung der Einheit des Staates“, ferner „der Mitgliedschaft und Leitung der KCK“ sowie der „Unterstützung und Beihilfe“ zu deren Aktivitäten. Die KCK (Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans) ist eine Dachorganisation der kurdischen Zivilgesellschaft, deren Kriminalisierung der Erdoğan-Regierung dazu dient jegliches zivilgesellschaftliches Engagement in der Türkei – ob kurdisch, demokratisch oder kritisch – zu unterdrücken.
Nicht nur die KCK-Prozesse sollen als Maßnahme dienen, die KurdInnen in ihrem Streben nach Frieden und Gerechtigkeit zu brechen und Angst und Schrecken in der gesamten Gesellschaft der Türkei zu verbreiten. Auch das ununterbrochene Zurückgreifen auf militärische Gewalt – wie der rechtswidrige Einsatz von Giftgas – soll dazu dienen. Zu erwähnen sind die wiederholten Anschläge des Militärs auf ZivilistInnen, wie die Bombardierung von 50 ZivilistInnen in der Nacht des 29.12.2011, bei der 34 KurdInnen getötet wurden.
Angesichts dieser Tatsachen scheint der Fall des Cihan Kirmizigül zur alltäglichen Normalität der kurdischen Bevölkerung in der Türkei zu gehören. Es ist nämlich durchaus möglich, für einen Terrorverdächtigen gehalten zu werden, nur weil man ein Pali-Schal trägt.

Wir fordern alle demokratischen Persönlichkeiten und Organisationen auf, sich gegen diese menschenverachtenden Praktiken zu erheben und die Einstellung dieser Machenschaften zu fordern.
Sprechen Sie darüber, machen Sie solche Praktiken bekannt und verhindern Sie deren Wiederholung. Nur eine breite Öffentlichkeit und ihr Druck kann diese Praktiken unterbinden.

YXK – Verband der Studierenden aus Kurdistan e.V.

Aufruf der YXK zu Blockupy Frankfurt

Blockupy Frankfurt

Die Kapitalistische Moderne, wie wir sie kennen und wie sie sich bis heute ausbreiten konnte, befindet sich in einer Krise, da sie ihre Grenzen erreicht hat. Ihre Säulen in Form von Industrialisierung, Nationalstaat und Monopolisierung sowie Homogenisierung der Gesellschaft, geraten allmählich ins Wanken. Ein Chaosintervall der zivilisatorischen Entwicklung hat eingesetzt und ein Umbruch findet statt.

Es gibt unterschiedliche Vorstellungen darüber, in welche Richtung sich die Entwicklungen vollziehen sollten und gerade weil sich diese Vorstellungen in konkreten gesellschaftlichen Widersprüchen niederschlagen, stellt es eine Notwendigkeit dar, sich nicht widerstandslos den Plänen der Herrschenden in Form der neuen Weltordnung hinzugeben. Genauso wie gesellschaftliche Bewegungen im Nahen Osten, etwa die kurdische Freiheitsbewegung bereits erbitterten Widerstand gegen das Greater Middle East-Project leisten, ist es an der Zeit auch im Gehirn der Kapitalistischen Moderne, nämlich den „hochentwickelten“ Metropolen des „Westens“, nicht nur ein Zeichen gegen das Diktat der Herrschenden zu setzten, sondern die gesellschaftlichen Widersprüche aufzugreifen und diese Auseinandersetzungen zu nutzen, um der Kapitalistischen Moderne gemeinsam den Kampf anzusagen. Es liegt nun an uns allen der Kapitalistischen Moderne in das Grab zu verhelfen, an dem sie selbst so kräftig gegraben hat. Nur solidarisch können wir diesen Kraftakt stemmen, ohne der Gefahr von Herrschaft, Macht und Gewalt in die offenen Arme zu laufen.

Dieses Unterfangen mag noch den Anschein haben, einem Anrennen gegen die Windmühlen gleichzukommen. Doch gibt es bereits überall auf der Welt erfolgreiche Ansätze, die uns Hoffnung geben nicht nur ein halluzinierender alter Mann zu sein, sondern eine aufbrechende Gemeinschaft, die sich dem Abenteuer stellt, ihre Geschicke selbst in die Hand zu nehmen und ihre Träume und Utopien Wirklichkeit werden zu lassen.
Die kurdische Freiheitsbewegung begreift sich als ein Teil dieses weltweiten Aufbruchs und macht von ihrem Glück Gebrauch mit einer gesellschaftlichen Bewegung in die Zukunft schreiten zu dürfen. In den letzten 30 Jahren ist es dieser Bewegung gelungen der Vernichtung der kurdischen Gesellschaft Einhalt zu gebieten und stattdessen den Raum für eine dynamische Zivilgesellschaft zu erkämpfen. Sie hat Millionen von Menschen unabhängig ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihrer Klasse, ihres Alters oder ihrer ethnischen Herkunft mit ihrem Beispiel inspiriert und verbreitet, diskutiert und entwickelt Ideen für ein gemeinsames Miteinander und einen Weg in eine demokratische, ökologische und geschlechterbefreite Gesellschaft.
Der kurdische Aufbruch ist nur einer von vielen und in diesem Sinne sind wir nur ein kleiner Teil des globalen Widerstandes gegen die herrschenden Verhältnisse. Wir alle möchten der Ausbeutung, Herrschaft und Entfremdung ein Ende bereiten und dies können wir nur gemeinsam erreichen. Daher ist es uns eine Herzensangelegenheit vom 16. bis 19. Mai mit GenossInnen und FreundInnen in Frankfurt auf die Straßen und Plätze zu gehen und die demokratische Einheit in der würdevollen Vielfalt zu suchen.
Dass uns die Herrschenden diese bessere Zukunft nicht einfach so schenken und sich nicht zuletzt des Staates als Organ der Repression bedienen werden, ist eine traurige Selbstverständlichkeit. Daher ist es umso wichtiger, deutlich zu machen, dass wir uns die bessere Zukunft und den gemeinsamen Weg dorthin – wenn es sein muss – einfach nehmen werden. Für uns gibt es keine Alternative zur Alternative, so wie die kurdische Freiheitsbewegung sagt: An azadî, an azadî! Entweder Freiheit oder Freiheit!

Aus diesem Grund rufen wir als Verband der Studierenden aus Kurdistan – YXK nicht nur unsere eigenen Mitglieder, sondern alle Menschen, die sich etwas besseres als die herrschenden Verhältnisse wünschen, dazu auf, vom 16. bis 19. Mai gemeinsam an den vielfältigen Aktionen von Blockupy Frankfurt teilzunehmen.
Kampagnen

OFFENER BRIEF An den Deutschen Bundestag, An die Bundesregierung, An die Landesregierung Nordrhein-Westfalen, An die hessische Landesregierung

OFFENER BRIEF

An den Deutschen Bundestag
Präsidium

An die Bundesregierung
z.Hd. Bundesminister des Innern Dr. Hans-Peter Friedrich
z.Hd. Staatsministerin Maria Böhmer

An die Landesregierung Nordrhein-Westfalen
z.Hd. Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales, Guntram Schneider

An die hessische Landesregierung
z. Hd. Ministerium der Justiz, für Integration und Europa, Jörg-Uwe Hahn

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 28. und 29. April hielt Prof. Dr. Kemal Cicek, als Genozidleugner „qua Amt“ – er ist Vorsitzender der offiziösen staatsnahen Historikerkommission der Türkei – international berüchtigt, zwei Vorträge in Köln und Frankfurt am Main über das „Armenierproblem“. Die Veranstaltungen wurden von DITIB – Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. – organisiert. Der Istanbuler Zweig des Menschenrechtsvereins der Türkei (IHD) hat inzwischen Strafanzeige gegen Cicek wegen Volksverhetzung (Art. 216 StGB/Türkei) erstattet, weil der oberste Hüter der türkischen Geschichtsdoktrin im türkischen Fernsehen einen Armenier türkischer Staatszugehörigkeit öffentlich mit dem Tod bzw. Deportation bedroht hat.

Bei DITIB handelt es sich um eine türkisch-staatliche Organisation, die vorgibt, mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland im Einklang zu stehen, die sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennt, die stets Wert auf Toleranz und Solidarität der Menschen untereinander und gegenüber anderen Glaubensangehörigen legt und so die Integration fördert: So lauten zumindest die Grundsätze dieses Vereins.

Trotz dieser Grundsätze werden Vorträge gehalten, Bücher präsentiert, Veranstaltungen organisiert, die das „Verbrechen gegen die Menschheit“, den Genozid an Armeniern, Aramäern, Assyrern und Griechen osmanischer Staatszugehörigkeit durch die Jungtürken leugnen. Der Massenmord an über drei Millionen Menschen wird systematisch geleugnet, verharmlost oder zur patriotischen Befreiungstat umgedeutet!

Aber nicht nur das.

Unsere Politiker fungieren als Schirmherren und halten Lobreden, wie z.B. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der vorbereitet war, die Laudatio auf den Steiger-Award-Preisträger Recep Tayyip Erdogan zu halten, oder der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP), der die Schirmherrschaft über die „Deutsch-Türkische Kulturolympiade“ übernommen hat, die dem Netzwerk der rassistisch geprägten Fethullah Gülen Stiftung nahe steht.

So werden also Preise für den türkischen Regierungschef (nur durch massenhafte öffentliche Proteste verhindert) und Propagandaveranstaltungen eines Hasspredigers wie Gülen gefördert.

Das sind Männer, die permanent damit beschäftigt sind, ihre Anhänger in der Türkei, aber auch hier in Deutschland für ihre Pläne zu gewinnen, mit militärischen, teilweise grenzüberschreitenden Vernichtungsaktionen gegen die restlichen Minderheiten (kurdische, armenische, aramäisch/assyrische Bevölkerungsgruppen – aber ebenso religiöse, nichtislamische Gruppierungen wie Christen, Jesiden, Aleviten) vorzugehen. Die noch in der Türkei lebenden Pontosgriechen werden in diesem Zusammenhang nicht mehr erwähnt, da diese Bevölkerungsgruppe dort schon längst zwangsislamisiert wurde.

Die oben Genannten, in Deutschland hofiert und geehrt, tragen dazu bei, dass bis heute in der Türkei Minderheiten missbraucht und ermordet werden – so sitzen etwa zur Zeit über 2600 kurdische Kinder in türkischen Gefängnissen, hilflos ausgeliefert der Folter und Vergewaltigung.[1]

Diese Leute tragen ebenfalls dazu bei, Kulturgüter mit allen Mitteln der Gewalt zu zerstören und zu enteignen. Jahrtausende alte Kirchen werden in Moscheen bzw. Restaurants umgewandelt (z.B. die Heilige Apostelkirche in Urfa, ehemals Edessa oder aramäisch Urhoy, wurde zu Firfili-Moschee). Es handelt sich bei diesem Gotteshaus übrigens um jene armenisch-apostolische Kathedrale, in der am 25. Dezember 1895 über dreitausend Zuflucht suchende Armenier lebendig verbrannt wurden (von einer US-amerikanischen Augenzeugin als Holocaust bezeichnet); während des Ersten Weltkrieges richtete sich die osmanische Armee in diesem Gotteshaus ein Bordell mit armenischen Mädchen und Frauen ein.
Gegenwärtig droht Mor Gabriel, einem der ältesten christlichen Klöster der Welt, die gerichtlich durch alle türkischen Instanzen bekräftigte Enteignung seines Landbesitzes.

Welche Grundsätze gelten in Deutschland? Wie kann hierzulande ein Integrationsminister die Schirmherrschaft über eine derart menschenverachtende Propagandaveranstaltung wie am vergangenen Wochenende übernehmen?

Welche Prinzipien verfolgen die Bundes- und Landesregierungen im Bezug auf Integration und wie wird überhaupt Integration definiert? Welche Werte werden hier in den Vordergrund gestellt?

Die unterzeichnenden Vereine und Verbände vertreten einen aktiven Teil unserer Gesellschaft. Wir fordern eine transparente und eine wirklich integrationsorientierte Politik.

Deutschland ist ein Einwanderungsland und hat sich allmählich von einem Gastarbeiterland zu einem Land mit gesteuerter Zuwanderung entwickelt. Um eine erfolgreiche Integrationspolitik zu betreiben, muss vor allem eine transparente Basis geschaffen werden, indem die Zuwanderer aufgeklärt werden: über ihr neues Aufenthaltsland, ebenso aber auch über Tradition und Geschichte ihrer Herkunftsländer. Nur wer seine eigene Geschichte umfassend und uneingeschränkt kennt, kann den anderen Respekt und Anerkennung erweisen. Durch die Leugnung oder revisionistische Umdeutung historischer Tatsachen, insbesondere wenn es sich um höchste Staatsverbrechen wie Völkermord handelt, werden Zuwanderergemeinschaften vielmehr gegeneinander aufgehetzt. Demzufolge wird die Gesellschaft Deutschlands polarisiert und zwiegespalten, der öffentliche Friede gefährdet.

Integration ist keine Einbahnstraße.

Wir fordern eine Zukunft ohne Hasspredigten und einen versachlichten Dialog aller Minderheiten.
Wir fordern die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern, Aramäern/Assyrern sowie Griechen Kleinasiens und Ostthrakiens, durch die Parlamente der Türkei und Deutschlands.
Wir fordern ein Gesetz gegen die Leugnung von Völkermord.
Wir fordern die Übernahme des Themas Völkermord in deutsche Schulbücher und Lehrpläne.
Wir fordern gleiche Rechte und Gleichbehandlung für jede Ethnie in der Bundesrepublik Deutschland.

In einem demokratischen Rechtsstaat wie der Bundesrepublik Deutschland darf kein Raum sein für integrationsfeindliche Propaganda.

„Denn Frieden und gesundes Miteinander kann nur dann erreicht werden, wenn Informationsquellen über die Vergangenheit einer Nation geteilt werden und Nationen offen über die Vergangenheit reden können.
Nur auf diese Weise kann gegenseitiges Verständnis und ein Dialog entstehen, an Stelle von Hass.“

Wie fordern Anerkennung und Aufklärung!

Hochachtungsvoll

ADHK – Konföderation für Demokratische Rechte in Europa
AGIF – Föderation der Arbeiterimmigrant /innen in Deutschland e.V.
Arbeitsgruppe Anerkennung–Gegen Genozid, für Völkerverständigung e.V.
Armenische Gemeinde zu Köln e.V.
Assembly of Armenians in Europe-Sektion Deutschland (AAE)
Assyrian Democratic Organization (ADO)
Assyriska Riksförbundet i Sverige (ARS)
Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände – BAGIV e.V.
Cenî – Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V.
CÎK-Föderation der Kurdischen Muslimischen Gemeinschaften in Europa e.V.
Der Europäische Friedensrat Türkei/Kurdistan
Deutsche Kurdische Kultur Bund e.V.
DIDF – Föderation Demokratischer Arbeitervereine
FEDA – Föderation der Demokratischen Aleviten e.V.
FKE – Föderation der Yezidischen Vereine e.V.
Föderation der Arbeiter aus der Türkei in Deutschland e.V.
Föderation der Dersim Gemeinden in Europa e.V.
Föderation Kurdischer Vereine in Deutschland YEK-KOM e.V.
Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
KOMCIWAN – Kurdischer Kinder und Jugendverband e.V.
KOMJIN – Verband der Frauen aus Kurdistan e.V.
KOMKAR – Verband der Vereine aus Kurdistan e.V.
Kurdische Gemeinde in Deutschland e.V.
Kurdisches Institut in Deutschland
Panepirotischer Verband Europas e.V.
Seyfo Center
TÜDAY – Menschenrechtsverein Türkei/Deutschland e.V.
Verband der Vereine der Griechen aus Pontos in Europa e.V.
Verband Griechischer Gemeinden – OEK e.V.
YEKMAL e.V. – Kurdischer Elternverein
YMK – Verein der Kurdischen Lehrer in Europa e.V.
YXK- Dachverband der Studierenden aus Kurdistan in Europa e.V.
Zentralrat der Armenier in Deutschland e.V.
Zentralverband der Assyrer in Deutschland und Europa e.V.

[1] Quelle: Spiegel, 23.04.2010, Frankfurter Rundschau, 13.03.2012, SWR, ARD Mediathek, Europamagazin, 21.04.2012