Archiv für Dezember 2012

Stellungnahme der YXK zur Luxemburg-Liebknecht-Demo 2013 Unser Anliegen: Gedenken an gefallene RevolutionärInnen

Als Verband der Studierenden aus Kurdistan – YXK haben wir selbstverständlich die Auseinander­setzungen um die kommende Luxemburg-Liebknecht-Demo 2013 in zwei Wochen verfolgt. Es ist die aktuelle Ausgabe der nicht enden-wollenden „Diskussion“ über die Inhalte und teilnehmenden Gruppen der LL-Demonstration, die sich alle Jahre wieder entzündet. Dieses Mal mit besonderem Ausmaß, das im Aufruf zu einer „Alternativ-Demonstration“ gipfelt.

Im Grunde verdeutlicht diese unendliche Geschichte die Zersplitterung der Linken an sich und die gesellschaftliche Irrelevanz solcher inner-linken Auseinandersetzungen im Besonderen. Wir sahen es bisher nicht als notwendig an, Stellung in dieser „Diskussion“ zu beziehen, um nicht noch einen Sargnagel in das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Linken zu treiben. Nun allerdings wurden wir aufgefordert uns in dieser Nicht-Debatte zu positionieren. Daher werden wir hiermit unsere Haltung zum traditionellen Luxemburg-Liebknecht-Gedenken und der großen, gemeinsamen Demonstration artikulieren.

Unser Anliegen, der Grund weshalb wir als YXK an der LL-Demonstration teilnehmen ist das Gedenken an gefallene RevolutionärInnen. Das Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht dient uns, unserer gefallenen GenossInnen zu gedenken; RevolutionärInnen, die durch ihren Tod und vor allem durch ihr Leben den Weg geebnet haben, den wir heute gehen können. Die YXK begreift sich als Teil einer breiten Bewegung, einer kämpfenden Bewegung, in der auch heute Menschen bereit sind ihr ganzes Leben der Revolution zu widmen. Den Gefallenen sind wir daher verbunden und es ist an uns, ihren Kampf fortzuführen.

Diese Perspektive mag einem Großteil der Linken in der BRD fehlen. Doch gerade deswegen ist es so wichtig sich seiner eigenen Geschichte bewusst zu sein und sie sich nicht stehlen zu lassen. Als Linke zehren wir auch von dem Erbe, dass uns die gefallenen GenossInnen hinterlassen haben. Dieses Erbe müssen wir in Ehren halten und einen Diskurs darüber mit Achtung für das Opfer der Gefallenen führen. Der Ausdruck der Stärke einer vereinigten Linken ist umso wichtiger, je drängender die gesellschaftlichen Anforderungen an diese Linke werden. Zumindest das Gedenken an gefallene RevolutionärInnen sollte dazu einen gegebenen Anlass darstellen.

Wir möchten uns keinesfalls anmaßen, zu definieren, wer revolutionär oder links ist. Sicherlich zeichnet sich das Verhältnis der YXK und der kurdischen Freiheitsbewegung zu den meisten an der LL-Demonstration teilnehmenden Initiativen durch unterschiedliche Positionen, Vorstellungen und Politiken aus. Doch besteht nicht der Sinn bei einer solch breiten und bunten Demonstration gerade darin, ein gemeinsames Anliegen vorzutragen und gleichzeitig über ideologische und politische Differenzen hinweg zu diskutieren?

Wenn wir bestimmte Positionen oder Politiken ablehnen, werden wir ihnen nicht die Möglichkeit geben, eine solche Veranstaltung zu vereinnahmen, sondern uns im offenen Diskurs mit ihnen auseinandersetzen oder über eine Nicht-Auseinandersetzung unsere Haltung verdeutlichen. Wenn andere Gruppen dies anders halten und stattdessen zu einer „alternativen Demonstration“ aufrufen, sehen wir darin eine Kapitulation und vor allem eine Schwäche der gesamten Linken, (inner-linke) Diskurse zu vermeiden, anstatt sie zu führen – ganz unabhängig vom Inhalt eines Gegenaufrufs.

Daher laden wir alle, die sich am Gedenken an gefallene RevolutionärInnen beteiligen wollen und sich als links – was immer das sein mag – definieren, ein, mit uns gemeinsam am 13. Januar 2013 an der traditionellen Luxemburg-Liebknecht-Demonstration in Berlin teilzunehmen und mitein­ander zu reden, anstatt übereinander.

Şehîd namirin!
(Kurmancî: Gefallene sterben nicht!)

Verband der Studierenden aus Kurdistan
YXK e.V., 30. Dezember 2012

Şerafettîn Elçî verstorben


Şerafettîn Elçî jiyana xwe ji dest da.. Serê gelê Kurd û malbata wî sax bê

Der kurdische Politiker und Parlamentarier Şerafettîn Elçî erlag am 25.12.2012 seiner Krankheit an Krebs.
Diesen herben Verlust in der kurdischen Politikwelt bedauern wir sehr und sprechen seinen Familienangehörigen und der kurdischen Gesellschaft unser aufrichtiges Beileid aus.

Şerafettîn Elçî war seit 2006 der Vorsitzende der Partei KADEP (Katılımcı Demokrasi Partisi – Teilnehmende demokratische Partei) und wurde im Jahre 2011 aus der Liste des Blocks der Arbeit, Demokratie und Freiheit von Amed (Diyarbakir) aus ins türkische Parlament gewählt.

Elçî war wegen seiner aufrichtigen Persönlichkeit ein geliebter und geschätzter Politiker. Nach dem Militärputsch im Jahre 1980 verbrachte er eine 27-monatige Haftstrafe in einem türkischen Gefängnis, weil er zuvor im seinem Amt als Minister für Öffentliche Arbeiten öffentlich kund getan hat, dass es in der Türkei Kurden gebe und auch er Kurde sei.

Möge seine Seele in Frieden ruhen!

YXK- Verband der Studierenden aus Kurdistan

1. Jahrestag des Massakers von Roboskî an 34 kurdischen Zivilisten

WAS GESCHAH AM 28. DEZEMBER 2011?
Am 28. Dezember 2011 wurden zwischen 21:30 und 22:27 Uhr 34 kurdische Zivilisten im Alter von 12 bis 25 Jahren nahe dem Dorf Roboskî (türkisch: Ortasu) im Kreis Uludere, durch ein Bombardement türkischer F 16 Kampfflugzeugen ermordet.

EIN UNFALL?
Den Behörden und dem Militär ist bekannt, dass Dorfbewohner der Grenzregion seit Jahren regelmäßig mit Maultieren die nahe Grenze zum Irak überqueren, um Handel zu treiben. Dies wird weitgehend geduldet, da teils korrupte türkische Polizisten und Soldaten mitverdienten, teils die kurdischen Gebiete im Südosten der Türkei bewusst wirtschaftlich vernachlässigt werden und so den Dörfern an der Grenze keine andere Möglichkeit bleibt, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Auch am 28.12.11 war klar, dass unbewaffnete Zivilisten ihrer regulären Route folgten, um in ihr Dorf zurückzukehren. Trotzdem wurde die Gruppe von Kindern und Jugendlichen mit Hilfe US-amerikanischer Aufklärungstechnik aufgespürt und bombardiert. Die Rechtfertigung: das Militär hätte Mitglieder der PKK-nahen Guerilla „Volksverteidigungskräfte (HPG)“ angreifen wollen.

WAS WURDE FÜR DIE AUFKLÄRUNG GETAN?
Nach der Bombardierung hat der türkische Staat zunächst versucht, diesen Vorfall zu verheimlichen. Erst durch die Angehörigen der Opfer sowie kurdische PolitikerInnen und alternative Medien erfuhr die Öffentlichkeit von dem Massaker. Erst 12 Stunden später berichteten türkische Mainstream-Medien, die Regierung reagierte erst nach 27 Stunden! Es habe sich um einen Irrtum gehandelt, ein Unfall für den niemand im Militär oder der Regierung die Verantwortung trage; im Grunde sei es die Schuld der Getöteten selbst. Auf den Versuch des Ministerpräsidenten, die Familien der Ermordeten durch lächerliche Geldzahlungen zum Schweigen zu bringen oder die öffentliche Debatte durch Äußerungen über die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen zu beenden, ließen sich die meisten großen türkischen Medien ein. Eine Aufklärung des Massakers steht bis heute aus. Die Regierung hat jegliche Nachforschungen blockiert, während sich hingegen eine breite „Plattform für Gerechtigkeit für Roboskî“ aus 850 Parteien, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und Verbänden der türkischen und kurdischen Zivilgesellschaft gegründet hat und für die Aufklärung des Massakers von Roboskî streitet.

WIE IST DER FALL ZU BEWERTEN?
Das Massaker von Roboskî ist eindeutig ein Gewaltakt des Staates gegen Minderheiten und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dieser „Unfall“ reiht sich allerdings nahtlos in die seit Jahren herrschende Politik des türkischen Staates ein: die Verleugnung des Genozids an den ArmenierInnen (1915), die Nicht-Aufarbeitung des Genozids von Dersim (1937/38) oder der Pogrome von Maraş (1978) und Sivas (1993) verdeutlicht, wie der türkische Staat mit seiner eigenen Geschichte umgeht. Statt sich der drängenden Fragen der eigenen Vergangenheit zu stellen, lässt der Staat nach wie vor Fragende umbringen (Musa Anter 1992, Hrant Dink 2007), ins Gefängnis sperren (bei derzeit etwa 10.000 politischen Gefangenen in der Türkei) oder verleugnet einfach die Existenz von Minderheiten. Wurzel dieser selbstherrlichen und menschenverachtenden Politik ist der tief-sitzende türkische Nationalismus, der das Zusammenleben der Identitäten innerhalb der Türkei bis heute unmöglich macht. Ein friedliches Miteinander aller Identitäten in der Türkei ist nur durch eine tiefgreifende Demokratisierung, Aufarbeitung der eigenen Geschichte und Versöhnung möglich.

Wir, der Verband der Studierenden aus Kurdistan – YXK e.V., verurteilen die menschenverachtende Politik der AKP-Regierung. Und fordern die Öffentlichkeit auf, das Massaker von Roboskî nicht zu vergessen oder ungesühnt zu lassen, sondern die Verantwortlichen zu Rechenschaft zu ziehen, denn auch sie haben Namen und Gesichter.

YXK-Flugblatt_1.Jahrestag-Roboski

„Jede Frau hat eine Geschichte…“ 2. Aufruf an alle Frauen ihre Geschichten und Gedichte einzureichen

Eine jede Frau hat zu dem, was in der Welt passiert, etwas zu sagen…

Wir machen uns auf den Weg, um die Träume und Gedanken von Frauen, die noch nicht zur Sprache gekommen sind, zusammenzutragen. Das können Tragödien und Schmerzen oder auch Utopien und Freude sein. Denn Frauen tragen vieles in sich, haben dieses noch nicht in Worte gefasst. Dies begreifen wir als Anfang einer Reise, bei der jede Frau ihre Geschichte, etwas aus ihrem Leben oder ihre Gedanken erzählen kann. Eine Jede von uns hat etwas zu sagen und zu schreiben. Indem wir uns mitteilen und verständigen, erreichen wir auch andere Frauen, die uns wiederum mit ihren Geschichten bereichern…

Wo wir uns auch befinden, wenn wir uns bislang vielleicht auch noch nie begegnet sind, so können wir doch neue Brücken schlagen, Bekanntschaften schließen und ein Stück unseres Weges gemeinsam gehen, wenn wir die Geschichten von unterschiedlichen Frauen kennenlernen und unsere eigenen Geschichten erzählen. Auf diese Weise verknüpfen wir unsere Gedanken und Träume miteinander. Um als Frauen auf den Geschmack des Schreibens zu kommen, um darüber zu schreiben, wie wir die Welt wahrnehmen und wie wir sie uns wünschen, laden wir alle Frauen ein, sich an unserem Schreibaufruf „Jede Frau hat eine Geschichte…“ zu beteiligen.

Der Schreibaufruf richtet sich ausschließlich an Frauen und Mädchen.

1- Bei diesem Aufruf werden nur bisher unveröffentlichte Geschichten und Gedichte angenommen, die sich um Frauen, ihr Leben und ihre Lebensgeschichten drehen.

2- Jede Teilnehmerin darf entweder zwei Geschichten oder zwei Gedichte oder eine Geschichte und ein Gedicht einreichen. Die eingereichten Schriftstücke werden nicht zurückgegeben. Mit der Einreichung bei der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V. stimmen die Teilnehmerinnen der Veröffentlichung zu, wobei die Veröffentlichung auf Wunsch hin auch unter einem Künstlerinnennamen geschehen kann.

3- Die Geschichten und Gedichte dürfen (in der Schriftgröße 12 geschrieben) nicht länger als fünf Din-A4 Seiten sein.

4- Einsendeschluss ist der 1. Februar 2013.

5- Die Teilnehmerinnen von diesem Aufruf informieren die Organisatorinnen über ihren Namen, Adresse, E-Mail Adresse, Telefonnummer und reichen möglichst einen kurzen Lebenslauf und ein Foto mit ein.

6- Es können Gedichte und Geschichten in den Sprachen Deutsch, Kurdisch und Türkisch eingereicht werden.

Die Gedichte und Geschichten werden anlässlich des Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen von der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA veröffentlicht. Für die jeweiligen Sprachen gibt es Komitees, die die eingereichten Werke daraufhin prüfen, ob die Teilnahmebedingungen eingehalten worden sind. Sie werden den Teilnehmerinnen, die diese Teilnahmebedingungen erfüllen eine Teilnahmebestätigung schicken.

Teilnehmerinnen können Ihre Geschichten und Gedichte an folgende Adresse schicken:
Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V.
Stichwort: „Schreibwettbewerb“
In der Stehle 26
53547 Kasbach-Ohlenberg

Die Geschichten und Gedichte können auch per Mail geschickt werden.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
utamara@web.de oder Tel.: 02644 602424

Eine Analyse der Politik der autonomen Region Südkurdistan

Das kurdische Volk macht heute eine historische Zeit durch. Der Lausanner Vertrag, der mit der Vierteilung Kurdistans den KurdInnen ihr heutiges Schicksal unter Fremdherrschaft auferlegte, gerät mit jedem Tag, an dem die KurdInnen ihren Widerstand fortführen immer stärker in Bedrängnis und verliert seine Gültigkeit. Dies zeigt sich auch im Verhalten der Despoten in den Staaten, die derzeit über Kurdistan herrschen und versuchen den Status Quo aufrechtzuerhalten.

Die Aufrüstung der irakischen Streitkräfte mit schweren Waffen und die begonnenen „Dicle-Operationen“ in den umstrittenen Gebieten durch Nuri al-Maliki , sowie die Verleugnungs- und Repressionspolitik des türkischen Staates unter Recep Tayyip Erdogan gegen die kurdische Bevölkerung sind hierbei im selben Kontext zu sehen.

Diese historische Zeit erfordert eine geschlossene Politik aller VertreterInnen und Repräsentanten der KurdInnen gegenüber den Despoten in den Besatzerländern. Die KurdInnen müssen vorsichtig sein und sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Dies würde wie zu oft in der kurdischen Geschichte wieder zum Verlust aller Errungenschaften und eines noch brutaleren Unterdrückungssystems führen. Die VerliererInnen würde wieder die kurdische Bevölkerung sein.

Dass das AKP-Regime die Nähe Mesûd Barzanî’s sucht ist kein Zeichen der Anerkennung der kurdischen Identität, sondern ein Versuch die KurdInnen gegeneinander auszuspielen und damit Teil ihrer Verleugnungspolitik. Dies zeigt sich vor allem in ihrem Verhalten Barzanî gegenüber. Auf der einen Seite lädt sie Barzanî zu ihrem Parteitag ein, auf der anderen Seite konnte sie sich nicht überwinden ihn als das zu bezeichnen, was er ist: Präsident der Autonomen Region Kurdistan. Auch früher schon zeigte sich diese Haltung des Regimes bei einem seiner früheren Besuche in Ankara, als die Flagge der Autonomen Region Kurdistan nicht aufgestellt worden war, wie es bei offiziellen Empfängen üblich ist. Diese Haltung beweist, dass der Krieg den der türkische Staat führt nicht zur Bekämpfung der PKK ist, sondern das Ziel der Assimilierung und Vernichtung des sich emanzipierenden kurdischen Volkes hat. Leider hat Barzanî dieses antikurdische Verhalten des AKP-Regimes nicht öffentlich verurteilt. Wir sind nicht gegen eine Partnerschaft der Autonomen Region Kurdistan mit der Türkei. Doch wir sind dagegen, dass diese auf Kosten der Interessen der nach Freiheit strebenden KurdInnen geht.

Barzanî hat des Öfteren und zuletzt auf dem AKP-Parteitag die PKK zum Niederlegen der Waffen aufgerufen. Auch wir sind gegen den Tod von Jugendlichen. Mit jedem Toten wird der Graben zwischen KurdInnen und TürkInnen immer größer, so dass ein friedliches Zusammenleben beider Völker gefährdet wird. Aber eine bedingungslose Waffenniederlegung würde der Reue gleichkommen. Wie kann von den Menschen, die aus freier Willensentscheidung ihr Leben aufgegeben haben und dem Ruf der Freiheit in die Berge gefolgt sind, erwartet werden ihr Handeln zu bereuen? Diese Menschen stehen hinter ihrem Handeln und wollen die derzeit mit Waffen verfolgte Politik in einem autonomen Kurdistan in einer demokratischen Türkei fortführen. Sie wollen sich nicht wieder der despotischen Zentralmacht des AKP-Regimes beugen. Der Aufruf wurde gehört. Nun müssen, damit Barzanî die Glaubwürdigkeit seiner Worte beweist, Taten seinerseits folgen. Es ist an der Zeit das Blutvergießen zu stoppen, indem Bedingungen geschaffen werden um die Partizipation aller KurdInnen und auch der Guerilleros innerhalb der Zivilgesellschaft zu ermöglichen. Dafür muss sich Mesud Barzanî einsetzen.

Die Führung eines Krieges ist keine einseitige Handlung. So kann es auch keinen einseitigen Frieden geben. Denn ein solcher würde den Sieg einer Partei, die Niederlage der Anderen bedeuten. Frieden kann nur auf gleichberechtigter Ebene zwischen den Kriegsparteien geschlossen werden. Abdullah Öcalan, der Vorsitzende der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), hat sich mehrmals in der Vergangenheit als Dialogpartner angeboten. Auch das Volk in Nordkurdistan macht bei jeder Gelegenheit deutlich, dass es Abdullah Öcalan als seinen alleinigen Repräsentanten anerkennt. Der unbefristete Hungerstreik ca. 10000 politischer Gefangener ist nach 68 Tagen durch einen Aufruf Abdullah Öcalans beendet worden. Das verdeutlicht erneut die Wichtigkeit Abdullah Öcalans als Dialogpartner. Dies wird jedoch seitens des AKP-Regimes, mit dem Versuch seinen eigenen Dialogpartner, auf der Süd-kurdischen Seite zu schaffen, abgelehnt. Stattdessen wurde eine nun seit fast 500 Tagen andauernde Totalisolation verhängt und sein Anspruch auf rechtliches Gehör aberkannt. Diese menschenverachtende Totalisolation kann nur durch Druck gebrochen werden. Und so fordern wir von allen kurdischen Repräsentanten, allen voran Mesûd Barzanî, ihren Einfluss auf das AKP-Regime zur Anerkennung Abdullah Öcalans als Dialogpartner einzusetzen.

Barzanî verurteilt jeden Angriff der kurdischen Guerilla, ohne diese im Gesamtkontext zu betrachten. Gleichzeitig schweigt er, wenn die kurdischen Guerilleros seitens der türkischen Armee mit Giftgas und anderen weltweit geächteten Waffen ermordet und ihre Leichen geschändet werden. Als im letzten Winter mehr als hundert kurdische Kämpfer durch die türkische Armee auf feige Art ermordet wurden, hat er geschwiegen. Dies ist eine falsche und von uns abzulehnende Haltung! Wir fordern von ihm das Recht der kurdischen Bevölkerung auf Selbstverteidigung nicht zu kriminalisieren und sich stattdessen gegen die feigen Angriffe des türkischen Staates gegenüber der kurdischen Bevölkerung zu stellen. Nicht zuletzt wegen der Mobilisierung der irakischen Armee durch Maliki kann es dazu kommen, dass Barzanî selber wieder militärisch agieren muss. Und so wird sich die Frage stellen wie er einen möglichen Kampf gegen Maliki rechtfertigen will, wenn er einen Kampf gegen den türkischen Staat kriminalisiert.

Die Bevölkerung in Westkurdistan und Syrien geht für ihre Rechte auf die Straße und zersprengt die Ketten des arabisch-chauvinistischen Baath-Regimes. Die KurdInnen haben dieses Mal aus ihrer Geschichte, die von Teilung und Verrat geprägt ist, gelernt und auf die Initiative Barzanî’s mit dem Abkommen von Hewlêr und dem daraus entstandenen Hohen Kurdischen Rat eine, wenn leider auch brüchige, Einheit gebildet. Doch hier sind wir alle gefordert diese in eine dauerhafte umzuwandeln. Dass die VertreterInnen des Volksrats in Westkurdistan bei einigen Treffen mit ausländischen Politikern außen vor gelassen werden und nur ein Teil des Hohen kurdischen Rats daran teilnimmt, ist für die Stärkung dieser Einheit nicht konstruktiv. Außerdem führt es zu großen Misstrauen, wenn wie die Firat News Agency herausgefunden hat, Abmachungen getroffen werden, um die Aktivitäten der PYD zu kriminalisieren und zu blockieren. Die PYD ist der größte Katalysator des Aufbaus der demokratischen Autonomie in Westkurdistan und solche Gespräche führen nicht nur zu Vertrauensbruch, sondern können sogar als Verrat an kurdische Interessen definiert werden. Meldungen, wonach die Grenze zwischen Süd- und Westkurdistan geschlossen wurde, beunruhigen uns zudem noch verstärkter. Wir wissen nicht warum und von wem diese Grenzen geschlossen wurden? Wir fordern aber, dass schleunigst Schritte eingeleitet werden, dass diese Grenzen wieder geöffnet werden, damit den Menschen in Westkurdistan die Lebensmittelzufuhr wieder ermöglicht wird.

Die Autonome Region Kurdistan wird mit anderen Worten auch als das „Freie Kurdistan“ bezeichnet. Doch stellen wir uns die Frage wie man einen Teil Kurdistans als frei bezeichnen kann, wenn die Bevölkerung sich nicht frei organisieren kann. Wie kann es sein, dass die PÇDK sich nur in den umstrittenen Gebieten, also außerhalb der „Autonomen Region Kurdistan“ sich organisieren kann, aber die Gülen-Sekte im ganzen Land Schulen und Universitäten gründet und damit die Assimilationspolitik des türkischen Staates im Namen des Islam fortsetzt? Das Betätigungsverbot der PÇDK muss sofort aufgehoben werden und damit die Demokratisierung der Autonome Region Kurdistan fortgeführt werden.

Kurdistan befindet sich in einem Umbruch. In allen vier Teilen leisten die KurdInnen Widerstand gegen die Herrschenden. Das besondere am Freiheitskampf der KurdInnen ist, dass sie sich, wie leider so oft in ihrer Geschichte geschehen, heute weigern zum Spielball der Herrschenden zu werden. Mit der Ausrufung der Demokratischen Autonomie in Nord- und Westkurdistan beginnt eine neue Ära für den Mittleren Osten. Ein Ära wider der undemokratischen kapitalistischen Moderne. Das Ziel ist klar: Der Aufbau einer demokratischen, ökologischen und geschlechterbefreiten Gesellschaft.

Yekîtiya Xwendekarên Kurdistan, Dezember 2012
(Verband der Studierenden aus Kurdistan)

Menschenrechtsverletzungen in der türkei – Eine Dokumentation

von Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V.

Im Rahmen der Internationalen Woche für Menschenrechte (10.-16. Dezember) haben wir eine Dokumentation über die Menschenrechts-verletzungen der Türkei der letzten Jahre erstellt.

Viele Staaten, die in bilateralen Wirtschafts-beziehungen mit der Türkei stehen, wie auch die Bundesrepublik Deutschland, heben den wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei in den letzten Jahren hervor. Zum Bedauern ist anzumerken, dass über die erheblichen Menschenrechtsverletzungen, die zur Kehrseite des scheinbaren wirtschaftlichen Aufschwungs gehören, zumeist hinweggesehen wird. In den letzten Jahren war eine erhebliche Beschneidung demokratischer Grundrechte zu verzeichnen.

Exemplarisch dafür kann die kürzlich geführte Debatte des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan über die Wiedereinführung der Todesstrafe genannt werden. Hierbei wies Erdogan darauf hin, dass die internationale Gemeinschaft nicht nur aus der Europäischen Union bestehend ist. Somit müsse sich die Türkei nicht explizit an den demokratischen und humanistischen Werten der Europäischen Union orientieren. „Beispielsweise existiert ja auch in den USA, China, Russland und Japan die Todesstrafe“, so die Worte Erdogans vom 10.11.2012. Um zu verhindern, dass die Entwicklung der Türkei in punkto Menschenrechte und Demokratie nicht weiter zu den iranischen, chinesischen oder russischen Abbildern tendiert, handelt es sich um eine unabdingbare Pflicht die Türkei an die Einhaltung der Menschenrechte zu appellieren.

Diese Dokumentation listet die Verstöße der Menschenrechte der Türkei in den letzten Jahren auf. Dabei wurden zahlreiche Untersuchungsberichte türkischer und internationaler Menschenrechtsorganisationen und NGOs zusammengefasst.
Hier gelangt ihr zu der Dokumentation

Firatnews: „Press“ und „Min Dît“ zu Besuch in Marburg

Marburg – Am Mittwoch hat die Marburger Ortsgruppe des Verbands der Studierenden aus Kurdistan (YXK Marburg) in Kooperation mit dem studentischen Unikino „Filmriss“ die beiden kurdischen Filme „Min Dît“ und „Press“ gezeigt.

Dutzende Studierende und KurdInnen aus der Umgebung nahmen am Filmabend teil. Die BesucherInnen wurden zweisprachig im kurdischen Kurmancî-Dialekt und auf Deutsch begrüßt. In ihrer Rede stellten die YXK‘ler zunächst ihre Ortsgruppe und die beiden Filme kurz vor.

Danach wurden die in den Filmen problematisierten Themen der sogenannten Morde unbekannter Täter und die Verfolgung von Journalisten mit der heutigen Zeit verbunden und auf diese Art verdeutlicht, dass sich außer der Farbe des Staatsfaschismus nichts verändert hat.

Nach der Begrüßung wurde der Film „Min Dît“ von Mîraz Bêzar, der das Leben kurdischer Waisenkinder aufzeigt und die sogenannten Morde unbekannter Täter problematisiert, gezeigt.

Der vor der Tür aufgestellte Bücher- und Teestand bekam in der etwa halbstündigen Pause sehr große Aufmerksamkeit. Nach der Pause wurde der Film „Press“ von Sedat Yilmaz, der von der Arbeit der Zeitung „Gündem“ handelt und die Arbeit der Journalisten unter den schweren Bedingungen der 90′ern auf die Leinwand bringt gezeigt..

Nach Ende des Films bedankten sich die YXK‘ler und verabschiedeten sich auf diese Weise von ihrebn BesucherInnen.

Hier gehts zum kurdischen Originaltext:
‚Press‘ û ‚Min Dît‘ mêvanên Marburgê bûn

Filmriss: Kurdischer Themenabend

Mittwoch, 12.12.2012
Hörsaal 00A26 im CNMS (Centrum für Nah- und Mitteloststudien in der Deutschhausstraße 12)
20:00 Uhr – Min Dît – Die Kinder von Diyarbakir
22:30 Uhr – Press

Min Dit
TR/D 2009 — 102 Min. — Regie: Mîraz Bêzar

Diyarbakir, eine kurdische Großstadt im Südosten der Türkei in den Neunzigerjahren: Der Konflikt um die kurdische Frage spitzt sich zu und zahlreiche zivilgesellschaftliche Aktivisten werden Opfer von Mordenanschlägen sogenannter »unbekannter Täter«. So auch die Eltern der zehnjährigen Gulistan (Senay Orak) und ihres jüngeren Bruders Firat (Muhammed Al). Zunächst noch mit Hilfe ihrer Tante, später ganz auf sich allein gestellt, versuchen die Geschwister fortan in der Stadt zu überleben. Dabei treffen sie auf weitere Gestrandete, wie die zwölfjährige Zelal (Suzan Il ır) und ihren blinden Großvater oder die junge Sexarbeiterin Dilara (Berîvan Ayaz). Während sich die Kinder gemeinsam durch ihren Alltag voller Armut und Gewalt kämpfen, treffen sie unerwartet auf einen der Mörder ihrer Eltern und beschließen Rache zu nehmen.

Mîraz Bêzar gelingt es, die Geschichte derer einzufangen, die immer zu den ersten Opfern von Konflikten gehören; der kleinsten und vermeintlich wehrlosesten: der Kinder. Dabei gelingt es ihm, mit der beeindruckenden Kraft der Bilder und Sprachen zu arbeiten. Nicht umsonst ist dieser Meilenstein des kurdischen Kinos international ausgezeichnet. (YXK)

Press
TR 2010 — 100 Min. — Regie: Sedat Yılmaz

Das Drama »Press« zeichnet die Geschichte der kurdischen Tageszeitung »Gündem« nach. Der Film ist ein Abbild des frühen kurdisch-sprachigen Journalismus in der Türkei, der sich in den 90er Jahren herausbildete und untrennbar mit dem Konflikt um die kurdische Frage verbunden ist; Zensur und Verbote von Zeitungen und anderen Medien, die Ermordung von zahlreichen Mitarbeitern und sogar ein Bombenanschlag auf eine Redaktion, sind Angriffe, denen sich der kurdische Journalismus bis heute ausgesetzt sieht. Die Geschichte der Journalisten wird aus der Perspektive des Praktikanten Firat (Aram Dilbar) wiedergegeben, der im Büro für Ordnung sorgt und den Journalisten bei jeder Gelegenheit über die Schulter schaut. Gemeinsam versuchen die Mitarbeiter die Öffentlichkeit auf die Verbrechen des Konfliktes aufmerksam zu machen und sich von Drohungen und Repression nicht stoppen zu lassen.

Auf der einen Seite arbeitet sich der Film »Press« an einem der dunkelsten Kapital der neueren türkischen Geschichte ab, auf der anderen verleiht er einen Eindruck vom Beginn des kurdisch-sprachigen Journalismus und dem Entstehen einer kurdischen Zivilgesellschaft. (YXK)

Revolutionär zwischen humanitärer Katastrophe und Bewaffnung

Vortrag mit Diskussion | organisiert von der Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t. und adopt a revolution:
11. Dezember (Dienstag), 18.30 Uhr, CNMS/ Orientzentrum (Deutschhausstr. 12, Marburg)

syrian-revolution_gruppe-d.i.s.s.i.d.e.n.t._yxk-marburg

Nach fast zwei Jah­ren Auf­stand be­fin­det sich Sy­ri­en in einer zu­neh­mend un­über­sicht­li­chen Si­tua­ti­on. Freie Sy­ri­sche Armee (FSA), is­la­mis­ti­sche Bri­ga­den, kur­di­sche Par­tei­en und die Exil­op­po­si­ti­on ver­fol­gen zum Teil sehr un­ter­schied­li­che In­ter­es­sen.

Die lo­ka­len Ba­sis­ko­mi­tees füh­ren je­doch wei­ter­hin jeden Frei­tag hun­der­te von De­mons­tra­tio­nen durch – teil­wei­se in­mit­ten mi­li­tä­ri­scher Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Dar­über hin­aus ko­or­di­nie­ren sie hu­ma­ni­tä­re Hilfe, füh­ren die zi­vi­le Ver­wal­tung fort, wo sich das Re­gime zu­rück ge­zo­gen hat und ver­mit­teln bei Kon­flik­ten zwi­schen ver­schie­de­nen Eth­ni­en und Re­li­gio­nen.
Der Ak­ti­vist Alan Has­saf wird einen Über­blick über die Ak­teu­re geben, die Ar­beit der Ko­mi­tees vor­stel­len und vom All­tag des un­be­waff­ne­ten Wi­der­stan­des be­rich­ten.

Ein Beitrag der YXK-Marburg wird die Rolle der kurdischen Opposition und ihre Perspektive für die Zukunft Westkurdistans und Syriens darstellen.