Archiv für Februar 2014

Einladung zum Vernetzungstreffen der AK Wohra

Liebe Freund_innen,
Liebe Genoss_innen,

in der Nacht vom 11. auf den 12. Januar wurde ein Haus von Asylbewerber_innen von vier Männern angegriffen. Sicher habt ihr davon gehört. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen, die mit den Bewohner_innen Kontakt haben und gerne mehr Menschen einbinden möchten. Da wir wissen, dass es in Marburg viele Menschen gibt, die an dem Thema Interesse haben und helfen möchten, wollen wir Euch zu einem Treffen einladen. Das Treffen soll dazu da sein, aufzuzeigen, was gerade passiert, wo ihr Möglichkeiten hättet, Euch einzubringen und Menschen zusammenzubringen, die an ähnlichen Aktions- und Supportformen interessiert sind. Wir wollen keine neue Politgruppe hochziehen, sondern Menschen miteinander in Kontakt bringen, die selbst aktiv werden wollen.

Hierfür laden wir laden Euch ein, am 04.03. um 20.30 h im Café am Grün.

AK Wohra

Die Einladung geht an politische Gruppen sowie Einzelpersonen.

Aufruf zur Demonstration „Rassismus tötet – Gegen rechte Gewalt“

demo dautphetal yxk-marburg
Im beschaulichen Städtchen Dautphetal bei Marburg wurde am 18.02.2008 ein Haus von Neonazis angezündet. Bereits nachmittags, Stunden vor der eigentlichen Tat, schmierten die unbekannten Täter das Wort „Hass“, die SS Buchstaben im Stil von Sigrunen, mit Sprühfarbe an die Tür der betroffenen Familie mit türkischem Hintergrund. Bereits zu diesem Zeitpunkt hätte Schlimmeres verhindert werden können, hätte die herbeigerufene Polizei den extrem rechten Farbanschlag ernstgenommen. Aber das Gegenteil war der Fall, sie tat, was sie immer tut: Beschwichtigen, beruhigen und letzendlich ignorieren.

Stunden später brannte der Holzanbau des Einfamilienhauses lichterloh. Die Bewohner_Innen konnten noch zwei Männer beobachten, die davonrannten und Naziparolen riefen. Der Brand wurde glücklicherweise schnell gelöscht, niemand musste den Anschlag mit seinem Leben oder körperlicher Versehrtheit bezahlen. Eine Woche später ließ die Polizei Marburg-Biedenkopf verlauten, es gäbe keine Verdachtsmomente – die Ermittlungen gegen die unbekannten Neonazis verliefen im Sande. Weitere Wochen nach der Tat erhielt die Familie, deren Haus angezündet wurde, einen Brief mit Zeitungsausschnitten des Brandanschlages – und drei beiliegende Streichhölzer.

Der Fall reiht sich in Hessen ein: Ebenfalls 2008 schlug im Schwalm Eder Kreis ein Neonazi ein 14-jähriges Mädchen bei einem nächtlichen Überfall auf ein Zeltlager mit einem Klappspaten in die Intensivstation. 2008 wurden vermeintliche Linke im nahen Goßfelden brutal zusammengeschlagen. 2010 verübten Neonazis in Wetzlar einen Brandanschlag mit Molotowcocktail auf das Haus eines Nazigegners. Seit 2012 ist im nahen Lumdatal eine Naziclique aktiv, zuletzt gingen sie mit Elektroschockern und Zaunlatten auf Passanten los.

Mit dem jüngsten Angriff auf eine Asylsuchendenunterkunft in Wohratal wird die Kontinuität rassistischer Übergriffe offensichtlich. In der Nacht zum 12.01. 2014 verwüsteten vier Männer aus Wohra und Kirchhain das Haus, zerstörten Fenster, Türen und Rollläden, bedrohten und beschimpften die Bewohner_innen. Obwohl die Randale über eine halbe Stunde dauerte, traf die Polizei trotz unmittelbar nach Beginn des Angriffes abgesetzten Notrufes erst wesentlich später ein – später streitet sie den rassistischen Charakter des Übergriffes ab.

Fakt ist: Nazis morden. Und das nicht erst seit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Seit 1990 wurden 180 Menschen von Nazis in der BRD ermordet. Ob sie Leute zusammenschlagen, aus der S-Bahn werfen, erstechen, entführen oder eben ihr Haus anzünden, bleibt in der Begründung gleich. Der Grundpfeiler der Ideologie der Neonazis ist die Einteilung von Menschen nach rassistischen und chauvinistischen Kategorien. Die Folge hiervon ist unweigerlich die Diskriminierung und letztendlich die Vernichtung der durch dieses Gedankengut als minderwertig angesehenen Menschen.

Jedoch bleibt die Frage nach den Ursachen rechter Gewalt in der Diskussion um Rechtsterrorimus und Stiefelnazis meist außen vor. Nazis entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern finden eine Gesellschaft vor, die eine solche Ideologie erst ermöglicht. Das Zeigen auf den vermeintlich glatzköpfigen rechten Rand verkennt allerdings die tiefe Verankerung menschenverachtender Ideologien wie Rassismus, Sexismus, Antiziganismus und Antisemitismus sowie weitere Formen von Ausgrenzung und Diskriminierung in der Gesamtgesellschaft. Die rassistischen Proteste gegen Asylsuchenden-Unterkünfte, die Stigmatisierung von Rom_nija, die deutsche Abschiebepraxis oder die Thesen Thilo Sarrazins sind keine Kinder extrem rechter Ideologien, sondern die der bürgerlichen Mitte. In der Großstadt, auf dem Dorf, im Osten wie im Westen gilt: Migrant_innen erfahren Rassismus in erster Linie nicht durch Nazis, sondern von den Nachbarn, von der Chefin oder den Kolleg_innen sowie auf der Ausländerbehörde.

Brandanschläge wie jener von 2008 in Dautphetal sind dabei die Spitze eines bekämpfenswerten Eisberges. Rechter Gewalt muss entgegengetreten werden – mit allen Mitteln! Ob dafür die örtliche Naziclique bekämpft, alltäglicher Rassismus in Deutschland thematisiert oder dem rechten Nachbarn Widerwort gegeben wird, vor allem eines darf man nicht: Rechte Gewalt und deren Opfer vergessen! Am 22.2. soll mit einer Demonstration durch Dautphetal das Bewusstsein dafür wachgehalten werden, dass Neonazigewalt und Rassismus alltäglich sind – auch in Marburg – Biedenkopf.

Für das Ende des alltäglichen Naziterrors!

Gegen die rassistischen Zustände – ob Ausländerbehörde oder Naziclique!

Für einen konsequenten Antifaschismus, der alle Teile der Gesellschaft in die Kritik einbezieht!

Der antifaschistische Selbstschutz muss organisiert werden!

Frieden in Kurdistan?! – Newroz 2013

Frieden in Kurdistan?! YXK-Marburg Newroz-Delegation 2013

Einschätzungen der politischen Lage in Nordkurdistan (Türkei) und Bericht über die Delegationsreise während der Newroz-Feierlichkeiten 2013 in Nordkurdistan.

Mitte März 2013 befand sich eine Delegation von überwiegend Jugendlichen mit unterschiedlichen politischen Hintergründen in Nordkurdistan (Türkei). Im Zentrum stand das Interesse, die kurdische Bewegung in ihrem Kampf um Selbstbestimmung und Frieden besser kennen zu lernen.

In den 10 Tagen führte die Delegation viele Gespräche mit verschiedenen Teilen der Bewegung. So traf sie sich mit Jugendlichen und Studierenden, mit Vertreterinnen der Demokratischen Freien Frauenbewegung und Politiker*innen der Partei für Demokratie und Frieden (BDP). Im Mittelpunkt standen vor allem die derzeitigen (Friedens-) Verhandlungen zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen Bewegung.

In der Veranstaltung wollen wir zum einen die Eindrücke der Reise mit euch teilen, über die verschiedenen Aspekte der Bewegung sprechen und über die Entwicklungen des Verhandlungsprozesses des letzten Jahres
diskutieren.