Archiv für Februar 2015

Ein Ende der Hinrichtungen im Iran!

Am Donnerstag, den 19.Februar 2015 wurde der erst 20 – jährige Saman Naseem, der mit 17 Jahren verhaftet wurde, gemeinsam mit den Efsari Brüdern, Ali und Habibullah im Zentralgefängnis von Urmia hingerichtet. Bis vor wenigen Monaten protestierten sie mit weiteren 26 politischen Gefangenen noch in Form eines Hungerstreiks gegen die Haftbedingungen, Folter, Misshandlungen und auch das politische Gefangene sich in einer Zelle mit Gefangenen aufhalten müssen, die aus anderen Gründen inhaftiert sind. Trotz des schlechten Gesundheitszustandes wurde ihnen jegliche medizinische Versorgung verwehrt. Der Hungerstreik wurde nach 33 Tagen erfolgreich beendet.

Die ihnen vorgeworfenen Straftaten belaufen sich auf die Mitgliedschaft, der im Iran verbotenen Partei PJAK (Partei für ein freies Leben in Kurdistan) und die damit verbundenen Vergehen wie „Feindseligkeit gegenüber Gott“ (moharebeh), „unverschämtes Verhalten“ (ifsad fil-arz) und dem bewaffneten Widerstand dem Staat gegenüber. Es wurde ein Brief von Saman Naseem veröffentlicht, welchen er im Gefängnis verfasste. Saman Naseem schrieb dort nieder, dass er zur Zeit der Verhaftung 17 Jahre alt war. Er durfte weder Kontakt zu seiner Familie aufnehmen noch mit seinem Anwalt sprechen. Die Humilitation während der Haft spitzt sich zu: Es folgten Foltermethoden wie das Rausreißen der Hand – und Fußnägel, schwere Prügel mit daraus entstehenden Wunden an Rücken, Beinen, Bauch und stundenlanges Hängen mit dem Kopf abwärts. 97 Tage lang dauerte diese Art der Folter an. Sein Körper war entstellt durch die Misshandlungen.

Sie haben alles versucht um von ihm ein Eigengeständnis zu erhalten. Nach einem gewissen Zeitraum hatte ein iranischer Staatssender seine Bitte erhört und er wurde daraufhin angeblich freigelassen. Jedoch war das Ganze eine Lüge und ein Szenario für die Öffentlichkeit. Nachdem die Nachricht, dass ein Minderjähriger inhaftiert war und bei ihm die Todesstrafe vollzogen werden soll, in die Öffentlichkeit gelang, wurde eine weltweite Unterschriftenkampagne seitens kurdischer Organisationen gestartet. Trotz all der Bemühungen vieler MenschenrechtsaktivistInnen und Druck der kurdischen Seite kam es am 19.02.2015 zur Hinrichtung von Saman Naseem, Ali und Habibullah Efsari.

Hinrichtungswellen gegen politische Gefangene, Minderheiten, politisch oppositionelle Gruppierungen, JournalistInnen und MenschrechtsaktivistInnen gehören zu einem festen Bestandteil des iranischen Systems. Diese dienen der Abschreckung der Menschen um jede Art von Systemkritik und Nonkonformität zu verhindern und jegliche fortschrittlich-demokratische Kraft im Keim zu ersticken. Im Fokus dieser Repressalie stehen -zusammen mit anderen Minderheiten- die KurdInnen:

Im Iran gibt es circa 10 Millionen KurdInnen, die in den Provinzen West-Aserbaidschan, Kurdistan,Khorasan, Gilan, Qazwin, Erdebil, Ilam und Kermanshah leben. Die KurdInnen, die mehrheitlich dem sunnitischen Glauben und teilweise der Religionsgruppe Ahl-e Haqq angehören, stellen eine religiöse Minderheit dar und sind auch daher im Iran einer Assimilations- und Unterdrückungspolitik ausgesetzt. Allein seit 2007 wurden insgesamt 15 kurdische politische Gefangene hingerichtet.

Als Antwort auf über die seit Jahren fragwürdige und menschenunwürdige Politik des iranischen Regimes, hellen Stimmen von zahlreichen Menschenrechtsorganisationen immer wieder auf. Auch die KCK kritisierte die bestialische Politik Irans und rief alle 4 Teile Kurdistan auf, dagegen die Stimme zu erheben. Zudem müsse der Iran die kurdische Frage auf politisch-demokratischem Wege lösen. Doch in diesen Apellen sieht die Regierung keinerlei Anlässe für eine politische Umstrukturierung in Richtung einer demokratisch und den heutigen Menschenrechten gerecht werdenden Judikatur. Auch die Tatsache, dass Iran eine Heimat für multikulturelle Minderheiten wie BelutschInnen, KurdInnen, AserbaidschanerInnen und PaschtunInnen bietet, ändert nichts an dem dogmatischen System.

Der Mullah-Staat gehört immer noch zu einem der am meisten Exekutionen durchführenden Staaten.

Die Todesstrafe verstößt gegen das Recht auf Leben und Freiheit der Person. Drüber hinaus symbolisiert sie die starre Meinungsunterdrückung und einen strengen Konformitätsdrang.Diese Abschreckungen verhindern das Ausleben der eigenen Kultur. So sind auch keine Verbesserungen der Lebensumstände der KurdInnen und die Lösung der kurdischen Frage zu sehen.

Wir als Verband der Studierenden aus Kurdistan – YXK verabscheuen diese Gräueltaten und Exekutionen des iranischen Regimes. Hinrichtungen sowohl von Minderjährigen als auch von erwachsenen Menschen müssen ein Ende finden!

22.02.2015

Vergewaltigt und verbrannt – Frauenverachtende AKP Politik ist mitverantwortlich für den bestialischen Mord an Özgecan Aslan

Erklärung der YXK-Jin

Am 14. Februar 2015 wurde der Leichnam der zuvor vermissten Psychologiestudentin Özgecan Aslan gefunden. Sie wurde vergewaltigt, erstochen, mit Benzin übergossen und verbrannt. So verliefen die letzten Stunden im Leben der 20-jährigen alevitischen Kurdin Özgecan Aslan aus der türkischen Provinz Mersin.Der Fall Özgecan ist nur einer von vielen Vergewaltigungsfällen, die sich weltweit zutragen, sei es in Kurdistan, der Türkei, Deutschland, Indien etc. Hierbei handelt es sich um keine individuellen Einzelschicksale, sondern um ein gesellschaftliches Phänomen, welches durch patriarchale Strukturen aufrechterhalten wird. Vergewaltigung ist immer eine Form männlicher Machtausübung und Kontrolle, die uns tagtäglich die sexistischen Gesellschaftsstrukturen vor Augen führen.

Am 11. Februar 2015 befand sich Özgecan und ihre Freundin in einem Omnibus auf dem Weg nach Hause. Der Fahrer und gleichzeitig Haupttäter Suphi Altindöken, welcher in Begleitung seines 50-jährigen Vaters Necmettin Altindöken und seines 20-jährigen Freundes Fatih Gökce war, fuhr seine abendliche Route. Die Freundin stieg als Erste aus, Özgecan war somit der letzte Fahrgast. An einer abgelegenen Nebenstraße außerhalb der Stadt hielten die drei Männer an und vergewaltigten sie. Özgecan setzte sich zur Wehr. Sie wurde kaltblütig erstochen und verbrannt. Der Leichnam der Studentin wurde in der Nähe des Dorfes „Camalan“ an einem Flußbett gefunden. Wenige Tage später wurden die Täter festgenommen.

Der brutale Angriff an Özgecan hat sich in einer Gesellschaft ereignet, in der sexistische Gewalt an Frauen als Mittel zur Aufrechterhaltung männlicher Vorherrschaft dient. Die sich oft wiederholenden sexuellen Übergriffe und Ermordungen an Frauen sind ein Zeichen dieser Strukturen. Im Laufe der Zivilisationsgeschichte ist zu erkennen, dass die Frau mit ihrem Platz in der Gesellschaft immer weiter abgestuft worden ist. Die sich immer weiter ausprägenden feudalen und patriarchalen Denkweisen sind in der heutigen Zeit an ihrem Höchstpunkt angekommen, wodurch wir immer wieder mit solch abscheulichen und unmenschlichen Vergehen an der Frau konfrontiert werden. Das in diesem Fall extreme Verhaltensmuster der Täter ist nur ein Fall in der langen Kette der perversen Verbrechen an der Frau, welche durch verschiedene Medien in die Weltöffentlichkeit gerückt ist. Es gibt weiterhin täglich zahlreiche sexuelle und ungerechte Vergehen an der Frau, bei der ihre Würde und ihre Rechte mit Füßen getreten werden und wir nichts davon mitbekommen. Eine Herabstufung der Frau zu einer „modernen Sklavin“ muss schnellst möglich geändert werden. Darüber hinaus sind diese außermenschlichen und aggressiven Taten ein Indikator für ein gestörtes und falsches Denken auf sozialer Ebene. Es führt zur Verachtung aller von sich aus anders scheinenden Menschen sowohl auf geschlechtlicher als auch religiöser und ethnischer Ebene. Bei den meisten Vergewaltigern wird ein solches Denken in gesellschaftlichen Klassen entdeckt, was auch in diesem Fall bestätigt wird. Anhand von veröffentlichten Bildern ist dem Täter Suphi Altindöken eine Sympathie zu der ultra-nationalistischen – türkischen Partei „MHP“ zuzuschreiben. Dort zeigt er mit seinen Fingern das bekannte Zeichen der „Grauen Wölfe“.

Die Partei AKP, die seit zwölf Jahren die Regierung stellt, ist mitverantwortlich an den Mord von Özgecan Aslan. Sie sorgte nicht nur für eine Vergrößerung der bereits existierenden Kluft zwischen ethnischen und religiösen Gruppen, sondern auch für die Beibehaltung der Vorherrschaft des Mannes. Wie laut die Frau in der Öffentlichkeit zu lachen hat, wie sie sich zu kleiden hat, auch wie viele Kinder eine Frau gebären soll, wurden immer wieder Recep Tayip Erdogan, Bülent Arinc und weiteren AKP – Politikern geäußert.

Die türkische Regierungspartei AKP (re-)produziert ein „Männlichkeitsbild“, der den Mann in der Öffentlichkeit dazu zwingt über die Frau zu entscheiden und Kontrolle auszuüben. Somit wird dem Mann jegliche Entscheidungsgewalt über die Frau gegeben, ob es um das gesellschaftliche Zusammenleben, die Ehe oder die Scheidung geht. Dabei wird oft vergessen, dass auch Männer Opfer dieses „Männlichkeitsbildes“ werden, da sie diesem Bild entsprechen müssen.

Wir als YXK – Jin (Autonomer Frauenflügel der YXK) werden uns jetzt umso stärker für die Emanzipation der Geschlechter einsetzen und verurteilen patriarchale Gesellschaftsstrukturen, die Diskriminierung und Ausbeutung der Frau und den Sexismus, der von Nationalstaaten (re-)produziert wird. Zugleich verurteilen wir zutiefst den brutalen Mord an Özgecan Aslan und fordern eine lückenlose Aufklärung.

Frauen müssen sich stärker über die Auswirkungen der Unterdrückung auf ihre Persönlichkeit bewusst werden und sich dahingehend sensibilisieren. Um die systematischen Frauenmorde endgültig beenden zu können ist eine große Solidarität unter den Frauen notwendig. Nur so können wir auch unser Ziel einer geschlechterbefreiten und demokratischen Gesellschaft erreichen.

YXK-Jin – Autonomer Frauenflügel des Verbandes der Studierenden aus Kurdistan, 15.02.15

25.02.2015: Vortrag „Queer Kurds: Die kurdische LGBTI-Bewegung“

Innerhalb des nunmehr seit Jahrzehnten schwelenden Konflikts zwischen der türkischen Regierung und der kurdischen Freiheitsbewegung entwickelte sich dort eine aufstrebende Protestbewegung, die sich u.a. für die Rechte und die Wahrnehmung von Lebensweisen von LGBT-Menschen einsetzt. Diese kurdischen LGBT-Aktivist*innen finden sich in einer vielleicht ganz besonderen Situation wieder: Sie sind eine Minderheit innerhalb der Minderheit und führen einen doppelten Kampf gegen sexuelle und ethnische Diskriminierung in zwei Gesellschaften gleichzeitig.

Trotz der widrigen und teils kriegsähnlichen Umstände in denen diese Gruppierungen arbeiten, zeigen sich auf den ersten Blick erstaunliche Entwicklungen: Innerhalb der patriarchal strukturierten kurdischen Gesellschaft entwickelte sich eine besonders starke und einflussreiche kurdische Frauenbewegung, die nicht nur für die Überwindung der hier immer noch besonders starken Unterdrückung der Frauen ihre Stimme erhebt, sondern auch die allgemeine kurdische Selbstbestimmung in den Mittelpunkt ihrer Protestbewegung stellt. Kämpfe um Freiheit und Anerkennung der eigenen selbstbestimmten sexuellen Lebensweise gehen hier einher mit Fragen der Identität. (Wie) Können Menschen “kurdisch” sein und gleichzeitig “queer”, “inter-” , “transsexuell”, “lebisch” oder “schwul”? Sind LGBT-Identitäten überhaupt mit ethnischen Identitäten vereinbar, entzünden sie Konflikte oder eröffnen sie nicht gerade Möglichkeiten für die Etablierung neuer Identitätskonzepte, die sich nicht an strengen, patriarchalen Mustern orientieren und auch vielen Klischees und Vorurteilen über kurdisch-türkische Gesellschaft zuvorkommen?

Roniund und Alischer werden anhand vieler eigener Erfahrungen und Gesprächen die besondere Situation der LGBT-Protestbewegung in Kurdistan vorstellen. Beide sind in der Türkei und in Kurdistan in LGBTIQ-Bewegungen aktiv.

Anmerkung:
Sprache des Inputs ist Deutsch, bzw. wird sind Deutsche Übersetzt. Wir versuchen weitere Übersetzungen, Türkisch Kurdisch so wie Englisch zu organisieren. Infos dazu folgen noch.

Zeit: Mittwoch, 25. Februar, um 20:30
Ort: Cafe am Grün Marburg / Am Grün 28

Bericht der Nachrichtenagentur Firat (ANF) über den Benefizabend

Benefizabend „Musik für Kobanê in Marburg

Am 6. Februar fand in Marburg mit mehr als 250 TeilnehmerInnen der Benefizabend „Musik für Kobanê“ statt. Zur Unterstützung Kobanês wurde von dem Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD), Bündnis 90/ Die Grünen, die Linke, dem Motorradclub MC Kuhle Wampe, YXK Marburg und dem AStA ein Beitrag gespendet.

Der Benefizabend, der von der YXK Marburg und dem Solidaritätssbündnis Kurdistan organisiert wurde hat um 18:00 Uhr mit einem Vortrag über Rojava begonnen. Dr. Lokman Turgut, welcher mit einer Delegation aus Akademikern Rojava besucht hat, brachte die Entwicklungen und den Aufbau der demokratischen Autonomie zur Sprache. Er zeigte auf, das die basisdemokratischen Entscheidungen innerhalb der in Rojava praktizierten demokratischen Autonomie etwas Neues darstellen, da diese, ob wirtschaftliche oder politische, direkt vom Volk bestimmt werden.

Nach dem Vortrag haben die MusikerInnen und Gruppen Critical Degree, Fahrlässige Farbigkeit, Lale Koçgûn ûúnd Ensemble, Isla del Rio, DJ Fou-rieux und Die Janewayihre Musik auf der Bühne präsentiert.

Michael von dem Solidaritätsbündnis Kurdistan sagt, dass es ihnen wichtig war mit dem Benefizabend einen Dialog zwischen den Völkern herzustellen und kurdische mit nichtkurdischen Gruppen zusammenzubringen. „Deshalb war es uns im Rahmen aller Arbeiten, von den Gruppen innerhalb des Solidaritätsbündnisses bis zu den KünsterInnen, ein Gleichgewicht zwischen beiden Gruppen zu schaffen.“ Des Weiteren sei es wichtig gewesen die Diskussion über Kurdistan innerhalb der deutschen Linken voranzutreiben und die studentische Aufmerksamkeit auf Kobanê zu lenken.

Sabir, der Sprecher der YXK Marburg, führt weiter aus, dass die Spendeneinnahmen über den Heyva Sor a Kurdistanê (Roter Halbmond Kurdistan) nach Kobanê geschickt werden, da diese Hilfsorganisation ihre Wurzeln in der kurdischen Bevölkerung haben. Sie seien der Ansicht, dass der Heyva Sor a Kurdistanê die humanitäre Hilfe, die gerade in dieser Jahreszeit besonders wichtig ist am besten nach Kobanê bringen kann. Die Befreiung Kobanê habe die Lieferungen von Hilfen etwas dringlicher gemacht, da mit der Rückkehr der Bevölerung nun der Wiederaufbau vorangetrieben werden müsse.
Der Benefizabend wurde mit verschiedenen kurdischen und nichtkurdischen Tänzen bis 04:00 Uhr morgens fortgesetzt.

Li Marburgê şeva alîkariya Kobanê