Die Revolution in Rojava ist die Revolution der Frau – Aufruf zum Weltfrauentag!

Erklärung der YXK-Jin zum 8. März

Der Weltfrauentag steht für gesellschaftliche, rechtliche, politische und wirtschaftliche Gleichstellung, ein selbstbestimmtes Leben der Frau, für das Recht auf körperliche Integrität sowie sexuelle Unabhängigkeit – gegen Sexismus, Patriarchat und eine systematische Ausbeutung von Frauen. Der erste Weltfrauentag fand am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz statt. Mehr als eine Millionen Frauen demonstrierten auf der Straße, um ihrer Forderung „Heraus mit dem Frauenwahlrecht“ Nachdruck zu verleihen. Zu Ehren der Rolle der Frau in der Februarrevolution wurde 1921 der 8. März als internationaler Gedenktag eingeführt. Auch über hundert Jahre später sind viele Forderungen weiterhin aktuell.

Wichtige Vorreiterinnen der Frauenbefreiung in Kurdistan sind Sakine Cansiz, Leyla Saylemez, Fidan Dogan und Arîn Mirkan: Sie alle verbindet der kämpferische Widerstand gegen das Patriarchat und die Vision einer geschlechterbefreiten Gesellschaft. Sakine ist das Symbol der kurdischen Frauenbewegung. Sie verkörpert den Willen und die Liebe zur Freiheit. Trotz all der Repressalien und Folter, die sie von staatlicher Seite erfuhr, führte sie stets erbitterten Widerstand. Auch Arîn Mirkan ist ein Sinnbild der kämpfenden Frau aus Rojava.

All diese Frauen sind die treibenden Kraft einer Revolution, die nun durch die YPJ Kämpferinnen weitergeführt wird. So zeigten die Medien im letzten Jahr vermehrt lachende Frauen in Uniform, die mit Überzeugung und Stärke gegen den Islamischen Staat in Rojava kämpfen. Denn diese starken Frauen riskieren ihr Leben, um die Visionen von Sakine Cansiz und Arîn Mirkan fortzusetzen. So war das Jahr 2014 das Jahr der starken Frau.

Die Revolution der Kämpferinnen der YPJ zeigt eine bedeutende Perspektive der Emanzipation der Frau auf. Sie ist die Selbstbefreiung von alten Rollenbildern und jahrelanger Unterdrückung und Ausbeutung. Die YPJ stellen eine eminente Gegenkraft gegen das patriarchale Herrschaftssystem dar, die wesentlich für die Vernichtung der Würde der Frau ist.

Der Aufbau einer basisdemokratischen Gesellschaft in Rojava kann mit der klassischen Rollenverteilung nicht realisiert werden, es ist gar hinderlich. Denn Basisdemokratie ist das System, indem die Selbstorganisierung des Volkes im Vordergrund steht. Das umfasst die autonome Bildung von Räten, so dass sich jedes Individuum einbringen und an Entscheidungen partizipieren kann. Um eine pluralistische Partizipation zu ermöglichen, fordert dieses System Gleichberechtigung auf allen Ebenen. Dies beinhaltet sowohl eine Gleichberechtigung der verschiedenen Ethnien als auch eine Gleichberechtigung der Geschlechter.

Die Eigenständigkeit und Selbstbestimmung der Frau hat folglich eine essentielle Bedeutsamkeit. Mit dieser Leitidee entstanden von Frauen organisierte Frauenräte, Frauenkomitees und Frauenzentren. Die Frauenräte, ein beschlussfassendes Gremium aller Frauen, vertreten die politischen Interessen der Frauen und fördern somit einen progressiven Aufbau einer demokratisch-ökologischen sowie einer geschlechterbefreiten Gesellschaft. All diese Institutionen stärken die Unabhängigkeit der Frau und binden sie aktiv in die Gesellschaft und die Politik ein. Frauen werden zunehmend mobilisiert, gestärkt und erhalten eine gleichberechtigte Position in der Gesellschaft. Bildung und Aufklärung in Themen wie dem demokratischen Konföderalismus, Selbstverteidigung, Jineolojî, Geschichte der Frau, Sexismus und Frauenrechte sind wichtige Grundlagen für das Entwickeln des freien Bewusstseins der Frau. Hierbei ist ebenfalls von Bedeutung, dass Frauen in die kurdischen Sprache gelehrt werden, da die Alphabetisierung unabdingbar für die politische Partizipation ist.

Unverkennbar ist: Die Befreiung der Frau ist ein Maßstab für die Befreiung und Demokratisierung der Gesellschaft. Feminizide, Sexismus und Ausbeutung in jeglicher Form können nur bekämpft werden, wenn Frauen sich selbst organisieren.

Anfang des 20. Jahrhunderts demonstrierten Frauen auf der Straße, um ihre Forderung „Heraus mit dem Frauenwahlrecht“ Nachdruck zu verleihen. Und heute kämpfen Frauen in Rojava aus eigener Kraft für eine geschlechterbefreite Gesellschaft und zeigen darin wahre Stärke. Diese Stärke macht die YPJ zu Vorbildern für alle Frauen dieser Welt.

Wir als YXK Jin – autonomer Frauenflügel des Verbandes der Studierenden aus Kurdistan rufen daher anlässlich des 8. März alle Frauen dazu auf den diesjährigen Weltfrauentag dem revolutionären Kampf der Frauen in Rojava zu widmen und sich an den bundesweiten Demonstrationen aktiv zu beteiligen.