Aufruf der YXK zum 1. Mai: Arbeiter*Innen aller Länder, vereinigt euch!

Erklärung der YXK zum 1. Mai – Arbeiter*Innen aller Länder, vereinigt euch! (Flugblatt zum Verteilen im Anhang)

Der erste Mai ist der internationale Kampftag der Arbeiter*Innenklasse und geht zurück auf mehrtägige Streiks von Arbeiter*Innen in den USA (1886), die sich für die Durchsetzung einer gerechten Arbeitszeit einsetzten. Sie erkämpften sich die Abschaffung der täglichen Arbeitszeit von zwölf Stunden und forderten diese auf acht Stunden zu reduzieren. Bei dem Protest für menschenwürdige Arbeitsbedingungen sind zahlreiche Menschen erschossen worden.

„Man kann nicht ewig wie ein Stück Vieh leben!“ (August Spies)

Die internationale Arbeiter*Innenbewegung vereint das Bewusstsein, zur politisch unterdrückten und kapitalistisch ausgebeuteten sozialen Klasse zu gehören. Weltweit werden Arbeiter*Innen in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung ausgebeutet, entrechtet und unterdrückt. Es sind die Grundprinzipien der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, die für die hohe Armutslage von Menschen in allen Teilen dieser Welt verantwortlich sind. Ein Wirtschaftssystem, das auf Profitmaximierung und Konkurrenz aufgebaut ist, um selbst überleben zu können, ist der Grundbaustein von Armut und zahlreichen Kriegen, die insbesondere diejenigen Menschen treffen, die nicht zur „abendländischen“ Kultur gehören. Erst kürzlich sind erneut zahlreiche Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken, da das westlich-kapitalistische System in ihren Heimatländern Zerstörung, Gewalt, Krieg, Armut und Ausbeutung verursacht hat. Diese Menschen, die auf der Suche nach einem menschenwürdigen Leben sind, sind der europäischen Abschottungspolitik zum Opfer gefallen. Schätzungen zufolge ermordete Europa allein im Jahr 2015 1720 Flüchtlinge an ihren Grenzen. Die rigiden Kontrollen und Gewaltanwendungen an Flüchtlingen, an den europäischen Außengrenzen aber auch innerhalb bundesdeutscher Grenzen, sind ein Produkt des Kapitalismus, das geflüchtete Menschen auf ihre ökonomische Verwertbarkeit beschränkt. Doch Menschen sind kein Humankapital!

Kapitalismus überwinden – Alternative aufbauen!

Der Kapitalismus zeigt überall auf der Welt immer dreister sein wahres Gesicht. Phänomene, die der kapitalistischen Moderne inne wohnen, wie Krieg und Krise, Ausbeutung und Unterdrückung, Zerstörung sozialer Sicherungssysteme und der Umwelt, faschistische und rassistische Mobilmachung, machen sich immer wieder bemerkbar.

Auch die Menschen in der BRD bekommen die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich zu spüren. Wir schauen einer unsicheren Zukunft entgegen: das Renteneintrittsalter wird angehoben, Leistungskürzungen werden weiterhin vorangetrieben, Privatisierungen und prekäre Beschäftigungsverhältnisse nehmen zu.

Das kapitalistische System festigt seine Herrschaft vorrangig über die Macht auf unser Bewusstsein. Während die Kluft zwischen den Reichen und Armen innerhalb der westlichen Zivilisation wächst und die kapitalistische Profitgier auf der ganzen Welt zu Kriegen, sozialen Krisen, Hunger, Armut und die Vernichtung natürlicher Lebensquellen führt, scheinen die Menschen in Europa, blind und taub gestellt, zufrieden mit ihrer Lage zu sein. Grund dafür ist, dass die Gesellschaft ihrer ethischen Werte und ihres politischen Bewusstseins beraubt wurde. Durch einen Individualismus, der jegliche gesellschaftliche Verantwortung ablehnt – das Gegenteil einer freiheitlichen Individualität – werden die Menschen daran gewöhnt, ihre Herzen dem Leid ihrer Mitmenschen und allen ausgebeuteten Lebewesen zu verschließen.

Als die kurdische Bewegung aus der Studierendenbewegung zu einer Arbeiter*Innenbewegung heranwuchs, organisierte sie in der Türkei Arbeiter*Innen in Gewerkschaften zum Widerstand und prägte die Protestaktionen am 1. Mai maßgeblich. Dabei organisierte sie in den vom türkischen Staat bewusst vernachlässigten Teilen Nordkurdistans ein alternatives und nachhaltiges Gesellschaftsmodell (demokratische Moderne), welches sich heute in Rojava als Alternative zur kapitalistischen Moderne durchgesetzt hat.

In Rojava gestaltet sich das Leben nach dem Prinzip „Je mehr Gesellschaft, desto weniger Staat“. Nach dem Modell des Demokratischen Konföderalismus wurden Strukturen der Selbstorganisierung der Bevölkerung in Kommunen aufgebaut. Dabei wird jede Bevölkerungsgruppe in Räten organisiert und von einer geschlechterquotierten Doppelspitze vertreten. Ein weiteres wichtiges Merkmal des Rojava Modells ist das alternative Wirtschaften, welche auch als kollektive, kommunale und ökonomische Modelle bezeichnet werden. Dabei wird der Aufbau von Kooperativen gefördert, um eine Ökonomie zum Dienste der Bevölkerung und nicht zur maßlosen Profitmaximierung zu ermöglichen. Die Revolution in Rojava beruht auf der Überwindung des Kapitalismus und stellt eine Alternative zur kapitalistischen Moderne dar! Es ist der Beginn eines freien Lebens, fernab der kapitalistischen Gesellschaftsordnung!

Auch in Nordkurdistan schreitet der Aufbau der demokratischen Autonomie voran. Während der türkische Staat in eine Dialogphase hineingezwungen wurde und die Waffen zum Teil bis heute geschwiegen haben, konnte die Gesellschaft in der Phase ihre alternativen Projekte festigen und neue erschaffen. Staatliche Einflüsse werden dadurch immer schwächer. Auch in Nordkurdistan wird der Kapitalismus und seine Nationalstaatlichkeit überwunden werden!

Als YXK – Verband der Studierenden aus Kurdistan beschlossen wir innerhalb unseres Zwischenkongress auf der Grundlage unserer Diskussionen und der Perspektive, welche wir entwickelt haben, frei nach dem Zitat des kurdischen Volksrepräsentanten Abdullah Öcalan „Denn auf den Sozialismus zu bestehen bedeutet auf das Menschsein zu bestehen“ unsere Arbeiten und die anstehende Phase fortzuführen. Das Beharren und der Glaube an die Menschlichkeit ist es, welches unsere Genoss*Innen in Kobanê, Shengal und allen Teilen Kurdistans die Kraft gibt, gegen jegliche Unterdrückung Widerstand zu leisten und Erfolg zu haben. Das Paradigma, der demokratischen, ökologischen und geschlechterbefreiten Gesellschaft der kurdischen Freiheitsbewegung ist gegen alle Versuche der kapitalistischen Moderne dennoch das Beharren auf eine demokratische, sozialistische Gesellschaft. Es ist der Aufbau eines alternativen Lebens!

Wir, die YXK – Verband der Studierenden aus Kurdistan rufen deshalb dazu auf, am 1. Mai gegen die kapitalistische Moderne und für eine demokratische, ökologische und geschlechterbefreite Gesellschaft zu demonstrieren. Wir rufen dazu auf, sich in den Städten, in denen Rechte und Neofaschist*Innen ihre rassistischen und hetzerischen Parolen verbreiten wollen, ihnen in den Weg zu stellen! Es gilt der rassistischen und sozialchauvinistischen Hetze unsere internationale Solidarität entgegenzusetzen!

Es lebe der Kampf der Freiheitskämpfer*Innen auf der Welt! Es lebe die Revolution in Rojava!

Es lebe der 1. Mai – Bijî Yek Gulan!

P.S. Im Anhang ist ein Flugblatt, der auf diversen Veranstaltungen verteilt werden kann. Er ist ein gemeinsamer Flugblatt der Interventionistischen Linken-IL und der YXK zusammen und greift die Kundigüng des Kontos der Initiative „Solidarität mit Rojava“ durch die Sparkasse Saarbrücken