Ferînaz Xosrewanî – Stimme des Widerstandes gegen die feudale Vergewaltigungskultur

Erklärung der YXK-Jin

Die Lage in den kurdischen Gebieten spitzt sich immer mehr zu. Am 07.05 ereignete sich einmal mehr im Nordiran (Ostkurdistan) ein Vorfall, der uns alle erschüttert: Die junge Frau Ferînaz entschied sich für den Freitod und sprang aus der vierten Etage eines Hotels, um der geplanten Vergewaltigung von einem iranischen Staatsangestellten und zwei weiteren Mittätern zu entkommen.

Ferînaz ist kein Einzelfall. Ihre Stärke ist kein Einzelfall.

Ferînaz vereint zwei Feindbilder des Patriarchats in sich: Sie ist eine Kurdin und zugleich eine Frau. Damit erlebte sie, genauso wie viele weitere Frauen immer noch, die Herrschaft über Frauen und den Hass auf KurdInnen. Besonders in den iranischen Strukturen nehmen die enorm feudalen und frauenfeindlichen Haltungen eine verabscheuungswürdige Rolle ein. Deshalb sind Frauen im Iran ständigem, radikalem Sexismus ausgeliefert.

An Ferînaz wird die Grausamkeit der patriarchalen, frauenfeindlichen und herrschenden Ideologie einmal mehr deutlich. Nicht nur der Fall Özgecan Aslan, sondern auch die von den IS-Kämpfern in Gefangenschaft befindenden Frauen aus Shengal zeigen auf brutale Art und Weise, wie fest verankert die Verdinglichung der Frauen in jeglichen Gesellschaften ist.

Sexuelle Gewalt wird strategisch angewandt, um Frauen zu brechen, ihnen ihren Willen zu nehmen und ihre politischen und revolutionären Kräfte zu hemmen.

Dies ist nicht nur ein Mittel des herrschenden Systems, sondern auch das Resultat.

Ferînaz wurde ein Opfer dieser menschenfeindlichen Ideologie, auf die sie jedoch eine eigene Antwort hat: Diese starke Frau entschied sich ihr Leben zu lassen um die Macht des machthaberischen Mannes zu durchbrechen. Sie ließ die Schändung ihres Körpers und ihrer Würde nicht zu.

Ferînaz Xosrewanî verkörpert so den Widerstandsgeist der kurdischen Frau, so wie sie schon von Sehîd Beritan und Sehîd Arîn Mîrkan gezeigt wurde.

Ihr willensstarker Widerstand steckt große Teile der iranischen Bevölkerung an,die ebenfalls ein unterdrücktes Leben führen. Große Massen beschlossen gemeinsam auf der Straße zu demonstrieren um Ferînaz´ Kampf gegen das feudale, totalitäre System Irans weiter zu führen. Die Wut der Unterdrückten zeigte sich in ihrem Aufstand: Das Hotel aus dem Ferînaz sprang wurde angezündet.

Hier verbirgt sich der Kern eines sich entwickelnden Kampfes gegen nationalstaatliche, frauenfeindliche Strukturen und ihre Unterdrückungspolitik im Iran.

Der Revolutionsgeist der Frauenbewegung ist der Vorreiter des gesellschaftlichen Befreiungskampfes.

Wir als autonomer Frauenflügels des Verbandes der Studierenden aus Kurdistan verurteilen diese frauenfeindliche Ideologie nicht nur aufs Äußerste, wir versuchen den Frauen, denen die Möglichkeit genommen wurde und jeden Tag genommen wird sich zu wehren, eine Stimme zu verleihen.

Deshalb verlangen wir ein Ende der männlichen Hegemonie, welches sexistisches Gedankengut und eine Vergewaltigungskultur hervorbringt. Die Selbstverständlichkeit des sexistischen Machtanspruches des Mannes muss gestoppt werden.

Wir rufen alle Menschen dazu auf, sich mit Ferînaz und weiteren kämpferischen Frauen zu solidarisieren, die für den Kampf gegen Feudalität und Sexismus ihr Leben lassen.

11.Mai 2015, YXK-Jin – Autonomer Frauenflügel des Verbandes der Studierenden aus Kurdistan – YXK