Erklärung der YXK Marburg zu den Gesprächen mit den Marburger Abgeordneten der CDU/ SPD

Nach der einseitigen Beendigung des Lösungsprozesses zwischen der PKK und dem Staat durch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, hat dieser den Konflikt in Kurdistan zu einem umfassenden Krieg gegen die Kurd*innen eskalieren lassen. Allein seit dem Ausbruch der Gewalt im Juli 2015 sind diesem Krieg mehr als 1.000 Menschen zum Opfer gefallen. Mehr als eine Million Menschen wurden durch das brutale Vorgehen des türkischen Regimes in die Flucht getrieben. Plünderungen und Brandstiftungen als Kollektivbestrafung der Bevölkerung durch türkische Regimekräfte sind Alltag. Ganze Städte wurden und werden dem Erdboden gleich gemacht. Amed/ Sûr – Cizîr – Farqîn – Gever – Hezex – Nisêbîn – Qoser – Silopî – Şirnex sind nur einige wenige Städte, die als Synonym für den türkischen Staatsterror in Kurdistan stehen.
Uns in Marburg lebenden Kurd*innen bereiten diese Geschehnisse – auch vor dem Hintergrund, dass unsere Verwandtschaft vor Ort direkt betroffen ist – zunehmend Sorge. Mit der immer mehr in den Mittelpunkt tretenden, sogenannten Flüchtlingskrise wurde der Türkei auch seitens der Bundesregierung eine immer stärkere Rolle zugesprochen. Leider hat die Bundesregierung im Wege des „Interessenausgleichs“ mit der Türkei beschlossen, die Kurd*innen aber auch ihre eigenen Werte wie Menschenrechte und Pressefreiheit zu opfern. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Türkei wegen ihres Vorgehens in Nordkurdistan sowie gegen oppositionelle Medien kaum öffentlich durch die Bundesregierung kritisiert wird.
Wir als Marburger Ortsgruppe des Verbands der Studierenden aus Kurdistan haben vor etwas mehr als einem Monat beschlossen, dass es ein guter Zeitpunkt wäre, aktiv das Gespräch mit Politiker*innen vor Ort zu suchen und unsere Sorgen mit diesen zu teilen.
Von der SPD kam leider keine ernsthafte Antwort auf unsere Anfrage. Vielmehr seien sowohl ihr Bundestagsabgeordneter Herr Bartol als auch ihre Landtagsabgeordnete Frau Özgüven derzeit nicht in der Lage mit uns einen Termin zu vereinbaren. Um Geduld und Verständnis wurde gebeten. Wir können Politiker*innen nicht zwingen mit uns ins Gespräch zu kommen, also warten wir. Aber Verständnis können und werden wir nicht aufbringen: nicht während unsere Verwandten getötet und vertrieben werden, nicht während unsere Heimatstädte zerstört werden.
So führten wir mit vier Freund*innen unserer Ortsgruppe und des Kurdistan Solidaritätsbündnisses lediglich ein Gespräch mit dem Marburger CDU-Bundestagsabgeordneten, Herrn Dr. Stefan Heck. Schon zu Beginn wurden wir „herzlich“ begrüßt und gefragt, ob wir denn auch in Deutschland geboren worden seien, was uns auf anhieb ein warmes Gefühl von Zugehörigkeit und Sympathie vermittelte.
Im folgenden Gespräch hat Herr Dr. Heck uns die Gelegenheit gegeben, unseren Standpunkt und unsere Sorgen im Bezug auf die Kriegspolitik der Türkei und die unterstützende Rolle der Bundesrepublik näher zu bringen. Man sollte doch meinen, dass man sich als Politiker*in auf ein gewisses Gespräch vorbereitet, jedoch wusste Herr Dr. Heck weder wer die YXK ist, noch ob wir ein bundesweit eingetragener Verein sind. Auch die Geschehnisse in Kurdistan (im Südosten der Türkei) schienen ihm sehr neu zu sein. Es war ein beruhigendes Gefühl festzustellen, dass die derzeitige Bundesregierung, den Kriegstreiber Erdogan unterstützt, und ihre eigenen Mitglieder über die aktuelle Lage vor Ort keine Kenntnis haben. Kritische Fragen wurden zwar zum Teil beantwortet, aber teilweise dann auch durch Ausreden abgewehrt; vor allem beim Thema „PKK-Verbot“. Gerade dann fiel Herrn Dr. Heck ein, dass er leider keine Zeit mehr habe. Daraufhin mussten wir leider dieses atmosphärische Gespräch beenden.
Ein öffentliches Foto wurde, wie zu erwarten war, verweigert. Vielleicht hatte man zu große Angst, die Karriere könne darunter leiden, wenn man sich mit Studierenden ablichten lässt, die eine klare Positionierung in diesem Krieg gegen die kurdische Bevölkerung fordern.
Dennoch hoffen wir, dass unser Standpunkt und unsere eigenen Geschichten, welche unmittelbar vom Terror Erdogans betroffen sind, Herrn Dr. Heck zum Nachdenken veranlasst haben und er diese in die eigenen Reihen der CDU weiterträgt.
Wir wünschen uns, dass die Bundesregierung ihre eigenen Interessen nicht über das Leben unschuldiger Menschen stellt und sich klar gegen die antikurdische Politik der Türkei positioniert.


1 Antwort auf „Erklärung der YXK Marburg zu den Gesprächen mit den Marburger Abgeordneten der CDU/ SPD“


  1. Gravatar Icon 1 Qazi 16. März 2016 um 14:07 Uhr

    Anstatt nur Gespräche mit diesen Personen durchzuführen, sollte man hier in Deutschland sich in diesen Parteien engagieren. Ansonsten werden sie über uns Politik machen und nicht wir über uns!

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